Das Barfußschuhgeschäft Zehenspiel war Opfer des eigenen Erfolgs. Eindrücklich erzählt Inhaberin Kristin Fitterer, wie rasant es sich anfangs entwickelt hat. Und warum es jetzt zum Glück wieder aufwärts geht. Statt der eingeplanten 30.000 Euro setzte sie im ersten vollen Jahr 2020 500.000 Euro um, im Jahr darauf konnte der Umsatz sogar noch einmal mehr als verdoppelt werden. Zehenspiel war aus dem Stand ein unglaublicher Erfolg, der zeigt, dass sie vieles richtig gemacht hat. Mit ihrem Geschäft verkauft sie Barfußschuhe, die sie alle persönlich vermessen lässt. Es ist ein riesiger Aufwand, der sich mit einer signifikant geringeren Retourenquote bei Online-Bestellern – sie liegt bei 30% – aber auch lohnt.
Eigentlich wäre die Geschichte vom Laden aus einem kleinen Ort im Odenwald eine Erfolgsstory, die gern weitererzählt wird, um zu zeigen, wie eine Neueröffnung mit einem gut durchdachten und umgesetzten Konzept heute noch funktionieren kann. Doch leider entwickelte sich das Geschäft zwischenzeitlich eher negativ. Die Strukturen haben nicht mehr zu der Größe gepasst und für die Skalierung hat Fitterer die Erfahrung gefehlt. Ein Händler kann eben auch zu erfolgreich sein und beim Versuch, das Unternehmen an die neue Realität anzupassen, überwältigt werden. Es gebe wahrscheinlich viele Geschichten von Geschäften zu erzählen, die schließen mussten, aber nicht, weil es an guten Ideen oder der Nachfrage mangelte. Manchmal hängt es an ganz anderen Faktoren oder auch an einzelnen Kleinigkeiten, dass Geschäfte schließen, die eigentlich von ihren Kundinnen und Kunden gebraucht wurden. Glücklicherweise ist die von Kristin Fitterers Zehenspiel keine davon. Zumindest nicht mehr. In dieser Ausgabe stellen wir vor, wie sie es aus dieser Phase heraus geschafft hat. Aus ihrer Geschichte lässt sich dabei viel lernen. Sie handelt davon, wie hilfsbereit es in der Schuhbranche zugehen kann und wie kurz die Wege manchmal sind, weil jeder jeden um ein paar Ecken kennt und sich empfehlen kann. Und sie handelt davon, wie wichtig es ist, in der Lage zu sein, sich auf seine Kompetenzen konzentrieren zu können. Dafür braucht es Mitstreiter, denen man vertrauen kann. So ist das Zehenspiel – Stand jetzt – doch zu einer Erfolgsstory geworden. Und ist bereit, gesund zu wachsen. Erste Maßnahmen wurden dafür bereits angedeutet.