Sorgen? „Nein, die haben wir nicht“, sagt Bettina Schwundeck-Schäfer. Letztes Jahr hat Budde Schuhe 90-jähriges Bestehen gefeiert; aktuell liegt man trotz der hohen Vorgaben durch die Jubiläums-Aktionen nur knapp unter Vorjahr, „das ist alles im Rahmen“. Aber jubeln kann man auch nicht gerade darüber, wie das Geschäft sich derzeit verändert. Einerseits ist da die generelle Kaufzurückhaltung, „es wird relativ wenig spontan gekauft“. Die Kundinnen und Kunden kommen gezielt und sind dennoch unentschlossen. „Die Leute wissen, was sie brauchen, finden etwas, das ihnen gefällt und passt – und gehen doch wieder nach Hause.“ Warum? „Weil sie noch mal darüber nachdenken wollen.“ Ja, was gibt’s denn noch zu überlegen, wenn alles stimmt? „Einerseits überlegen sie, ob sie den Schuh wirklich brauchen, andererseits, ob sie das Geld wirklich haben“, sagt Bettina Schwundeck-Schäfer, die das 103 qm große Geschäft in der 75.000-Einwohner-Stadt seit 2008 mit zwei Mitarbeiterinnen führt. „Ich erlebe es jetzt ganz oft, dass ich Ware zurücklege, bis wieder Geld da ist.“ Ein in den 60er- und 70er-Jahren gängiges Verbraucherverhalten, das längst Vergangenheit war – und „nun taucht es wieder auf“.
Gleichzeitig scheint das einst so solide Mittelfeld wegzubrechen. „Der Schuh für 89/99 Euro geht fast gar nicht mehr“, sagt Schwundeck-Schäfer. „Am besten läuft günstig oder teuer“, sprich Remonte oder Hartjes. Wobei „es sogar fast einfacher ist, die hohen Preislagen zu verkaufen“. Zudem gibt es gewisse Verschiebungen innerhalb der Klientel, Ab- und Zuwanderungstendenzen bestimmter Kundengruppen. „Die Kunden, denen wir zu teuer sind, gehen jetzt anscheinend zum Schuhdiscounter“, während parallel dazu „Kunden aus einem noch höherpreisigen Segment, die ich noch nie bei uns gesehen habe, plötzlich zu uns kommen“. Es sind Kunden, die mitunter „mal eben drei Paar auf einmal mitnehmen“. Das führt jedoch nicht automatisch zu Umsatzsteigerungen, denn „unter Umständen kommen auch nur drei Kunden am Tag“ – übrigens aus einem Einzugsgebiet von 70 km. „Bielefeld ist keine Konkurrenz für uns.“ Für Bettina Schwundeck-Schäfer
ist daher klar: „Wir müssen die Order grundlegend umstellen und stärker ins höherpreisige Segment einsteigen“, denn „letzten Endes brauchen wir weniger Schuhe, jedoch in höheren Preislagen“.
Zudem sei es nicht mehr erforderlich, zu zweit im Geschäft zu sein, man komme nun auch allein zurecht. Muss sie angesichts der anspruchsvolleren Kundinnen auch modischer werden? „Wir sind schon recht modisch“, sagt Bettina Schwundeck-Schäfer, die feststellt, dass ihre Klientel tendenziell jünger wird und auch die Töchter ihrer Stammkundinnen, die Mitte 30 sind, bei ihr fündig werden. Dennoch „sind wir modisch etwas eingeschränkt, denn wir befinden uns in einem konservativen Stadtteil von Detmold, Lack und Glanz etwa mögen die Leute hier nicht“. Zum Ausgleich hat sie den Accessoires-Anteil stark ausgebaut: „Wir haben viele Taschen, Tücher, Gürtel, Mützen, Handschuhe und zum Weihnachtsgeschäft auch Geschenkartikel wie etwa Schmuckkästchen“, sagt Bettina Schwundeck-Schäfer, „das hilft uns über vieles hinweg“.
Anders ist es bei den Herren, da scheint alle Liebesmüh vergebens. „Die Männer bleiben zu Hause“, sagt Bettina Schwundeck-Schäfer. „Selbst wenn wir Fenster mit hohem Herrenschuh-Anteil haben, tut sich wenig.“ Da bleibt als Lösung wohl nur noch die Scheidung: Ob es bei Budde Schuhe in Zukunft noch Herrenschuhe geben wird, ist fraglich, denn „es ist einfach zu schwierig“.