Dass die Männer in den letzten Jahren von Saison zu Saison zurückhaltender geworden sind, ist bekannt; ebenso wie die Tatsache, dass die männliche Kundschaft „meist nur einen Ersatzkauf tätigt, viel Funktion, niedrige Preise und einen Schuh will, der möglichst fünf Jahre hält“, wie Eva Schulte, Schuhhaus Bröcker in Osnabrück, es beschreibt. Doch inzwischen ist es so, dass selbst Häuser, die im Herrenschuhbereich traditionell stark waren, vergeblich nach ihren männlichen Kunden Ausschau halten. „Normalerweise sind wir bei den Herren gut dabei“, sagt Joachim Strittmatter, Schuhhaus Stemmer-Kneer in Singen. „Doch in diesem Jahr haben wir im Herrenschuhbereich ein gravierendes Problem.“ Entweder lassen die Männer sich gar nicht erst blicken: Vielleicht weil sie sich angewöhnt haben, im Internet zu kaufen, vielleicht aber auch weil sie von einem Virus namens On oder Skechers befallen sind und Geschäfte, die diese Produkte nicht führen, erst gar nicht betreten. Das gilt übrigens „nicht nur für die Männer, sondern auch für die Damen“, wie eine Händlerin aus dem niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn beklagt. „Wenn ich sehe, was die Leute auf der Straße an den Füßen haben, dann sind das Sneaker von On oder Skechers“, sagt Joachim Strittmatter, und „dagegen gibt es leider kein Patentrezept“. Schließlich seien die Leute „von diesen extrem weichen und leichten Schuhen inzwischen verwöhnt“. Vielleicht wollen viele Männer den Kauf neuer Schuhe aus Kostengründen aber auch einfach länger hinauszögern als sonst. In diesem Fall mag es mitunter durchaus ein Gegengift geben wie etwa bei Ganzkörperschuh in Berlin. Seit zwei Saisons hat Inhaberin Kerstin Budich mit Waldläufer und Sioux preislich unten angebaut. Ihr Hauptlieferant im Herrenbereich bleibt zwar nach wie vor Ganter, ein Produkt, das ihr Kunde schätzt, weil es „so viel Mehrwert bietet“, so Budich. Doch parallel „wollten wir eine neue Einstiegspreislage schaffen, damit der Kunde, der reinkommt, eine Option hat, die für ihn preislich akzeptabel ist“, sagt Kerstin Budich. „Nun muss niemand mehr ohne Schuhe rausgehen.“ Und ihre Rechnung geht auf, „auch im Herrenbereich sind wir übers Jahr hinweg zufrieden“.