Herr Schmidt-Eisenhart, im Interview, das wir Anfang 2015 führten, haben Sie dargelegt, dass Deutschland ein strategischer Markt für Timberland sei. Wie genau sieht ihre Strategie speziell auf dem deutschen Markt aus?
Ganz klar ist Deutschland einer unserer Schlüsselmärkte. Und zwar über alle Kanäle hinweg. Gerade unsere Key Accounts im deutschen Schuhfachhandel sind für uns wichtig. Wir arbeiten an einer umfassenden Strategie, um uns besser im deutschen Markt und näher an unseren Key Accounts zu positionieren. Es geht uns dabei jedoch auch darum, den Handel bei unseren Entwicklungen mitzunehmen. Wir haben viele neue Produktkategorien jenseits von Yellow Boot und Bootsschuh. In diesen Bereichen spüren wir eine gewisse Skepsis der Händler, die wir nicht genau ergründen können. Diese wollen wir auflösen.
Sehen Sie sich immer noch in der Yellow Boot-Ecke?
Nein. Das war einmal. Wir haben schon vor der Übernahme durch VF damit begonnen, das Produktportfolio deutlich auszubauen. Insbesondere die Verbraucher haben längst die Vielschichtigkeit der Marke Timberland erkannt. Inzwischen stellen wir fest, dass unsere anderen Produktkategorien wie z.B. Sensorflex, Cupsole, Sneakers, in allen Märkten wachsen; im internationalen Vergleich aber sieht man, dass dieses Wachstum in Deutschland etwas langsamer ausgeprägt ist. Internationale Händler, die auch auf dem deutschen Markt aktiv sind, greifen neben den Klassikern auch zu vielen anderen unserer Themen und sind damit sehr erfolgreich.
Der Fachhandel beklagt derzeit das problematische Preis-Leistungs-Verhältnis von Timberland. Die klassischen Boots liegen bei mittlerweile 200 Euro VK; Qualität und Verarbeitung stehen nach Überzeugung vieler Händler dazu in keinem Verhältnis. Man fürchtet angesichts dessen, dass Timberland eigentlich eher nicht an einer soliden und langfristigen Zusammenarbeit mit den Fachhandelspartnern interessiert ist. Wie stehen Sie dazu?
Um ehrlich zu sein, überrascht mich diese Meinung. Wir haben speziell seit der Akquise durch VF Millionen in die Konsumentenforschung gesteckt, um permanent zu messen und zu kontrollieren, ob wir mit der Entwicklung unserer Marke auf dem richtigen Weg sind. Timberland ist eine hochpreisige Marke, ja. Es gibt auch kein vergleichbares Produkt zum Yellow Boot. Wir könnten natürlich die Preise drücken und bei der Qualität sparen, wenn wir das wollten. Aber das ist für uns keine Option. Im Hinblick auf die Produktqualität und Verarbeitung gehen wir keine Kompromisse ein. Wohl aber ist uns bewusst, dass es eine gewisse Preissensibilität gibt. Das Thema haben wir auf dem Radar. Ich muss allerdings sagen, dass das Händlerecho Ihre These nicht bestätigt. Die Nachbestellungen im deutschsprachigen Raum haben sich in 2015 verdoppelt. Das zeigt uns, dass der Konsument durchaus bereit ist, für ein Produkt mit hoher Qualität auch den entsprechenden Preis zu zahlen.
Händler haben die Entwicklung in den letzten Saisons als problematisch empfunden und ihre Paarzahlen reduziert. Mit welchen Maßnahmen wollen Sie hier gegensteuern?
Viele Händler haben ihre Paarzahlen aber auch deutlich erhöht. Wir haben ein weites Distributionsnetz; da sind oft sehr unterschiedliche Entwicklungen zu beobachten. Ich möchte außerdem unterstreichen, dass wir gerade in Preislagen zwischen 120 und 160 Euro viele spannende Modelle und Kategorien entwickelt haben, die im übrigen auch enorme Zuwächse erzielen. Es wird auch in Zukunft für uns wichtig sein, dass wir insbesondere unser Leistungsspektrum in diesen Preislagen ausbauen und kommunizieren. Wir haben das Gefühl, dass der Fachhandel etwas verpasst. Die Marke Timberland ist viel größer als der Yellow Boot. Der Konsument versteht das durchaus.
Das vollständige Interview lesen Sie in schuhkurier Ausgabe 2.