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Die Kundin sieht fast lustlos aus. Sie schlendert am Schuhregal entlang, bleibt bei den offenen Sandalen stehen, überlegt, geht weiter. Sie greift hier und da nach einem Modell und stellt es dann doch wieder zurück auf die Fläche. Am Ende kauft sie nur ein leichtes Tuch in sommerlichen Farben – keine Schuhe. Oder sie verlässt das Geschäft ganz ohne Ware. So geht das ständig dieser Tage. Die Lust auf Schuhe scheint zeitweise gegen Null zu tendieren. Und daran ändern offensichtlich nicht einmal die überall plakatierten Sale-Angebote etwas. An den Juni können die Schuhhändler in Deutschland also – leider – wieder einen Haken machen: -5,3%. Das ist zwar kein Negativrekord, wie ihn noch der März den Unternehmern bescherte. Es ist aber auch nicht das hoffnungsvolle Zeichen, auf das der Handel derzeit so händeringend wartet. Es herrscht einfach Flaute. Seit Monaten. Und die zwischenzeitlich positiven Ergebnisse reichen nicht, um den insgesamt negativen Trend umzukehren.
Mit dem Juni findet jetzt Fortsetzung, was den Schuhhandel seit langem beschäftigt. Wenn es eine Umsatzsteigerung gibt, dann fällt diese eher gering aus. Wird ein Umsatzrückgang verbucht, dann schlägt dieser gleich kräftig zu Buche.
Die Frage, woran es liegen könnte, stellen sich manche Händler gar nicht mehr. Vielfach hat sich schon Resignation eingeschlichen. Die Saison ist ohnehin gelaufen. Man nimmt also hin, was man wohl eh nicht ändern kann. Und hofft dann doch, dass wenigstens Herbst und Winter halten, was man sich von ihnen verspricht. Wobei es wohl klug wäre, genau damit nicht zu rechnen. Die Möglichkeit, dass auf den mauen Sommer ein langer Spätsommer mit Biergartenwetter folgt – und eben nicht der Start in die Frostperiode gleich Anfang Oktober – besteht und sollte einkalkuliert werden. Angesichts chronisch rückläufiger Frequenzen ist an der Besucherfront also eher nicht mit dem großen Run zu rechnen. Aber ist Aushalten und Wegducken die richtige Strategie, wenn es ums Ganze geht? Auf diese Frage kann es nur eine Antwort geben: Nein!
Mehr denn je wird es darauf ankommen, die Messen der nächsten Wochen dafür zu nutzen, neue Akzente zu setzen und neue Themen zu finden. Diese Aufforderung ist an dieser Stelle schon des öfteren erfolgt. Sie ist im Sommer 2016 besonders brisant.
Gerade weil die Läger vielfach noch voll sind mit Winterware. Weil der Wurm drin ist im Handel mit Schuhen. Weil es frus-trierend ist, wenn es nicht gut läuft. Unverzichtbar ist es, sich jetzt en detail mit dem Sortiment auseinanderzusetzen. Es aufzufrischen und mit Herz und Verstand ein stimmiges Angebot aus Bewährtem und Neuem zusammenzustellen. Wer jetzt entmutigt auf Standards setzt, geht in die falsche Richtung. Herrscht Flaute, darf man nicht tatenlos auf den Wind warten. Sondern muss beherzt zum Ruder greifen.