Zu viele Biker, zu wenig Stiefel, zu viele Nieten, zu wenig Innovationen – fasst man die Reaktionen der Händler auf die neuen Damenschuhthemen zusammen, ergibt sich die verzweifelte Suche nach einer gesunden Mitte zwischen zwei Extremen: dem rockigen, sportiven, teils martialischen Boot und dem neuen, schmalerem Pumps mit Spitze.
“Es gibt unendlich viele rockige Boots oder ultra-elegante Pumps – mir fehlt die traditionelle Mode dazwischen”, beklagte Simone Hagen Kellmann von Gill Shoes in Düsseldorf nach drei Tagen intensiver Orderrunde auf der GDS. “Das College- thema wurde in den Kollektionen oft vernachlässigt, ich suche nach Pantoletten, Chelsea Boots und Klassikern mit Pfiff – und das in mittleren Preislagen.” Auch ihre Kollegin Sandra Caspers, Inhaberin des Hamburger Schuhladens Shirley Mae, wurde nicht ganz fündig. “Mir gefallen die kurzen Booties mit goldenen Nieten zwar sehr gut, ich kann aber nicht meinen ganzen Laden damit vollstellen.” Viel zu wenig Stiefel seien in den Kollektionen zu sehen, und wenn, dann nur in einer einzigen Schaftform – “die Vielfalt fehlt total”, so die Hamburgerin.
Neben der Omnipräsenz kurzer Booties und Stiefeletten boten auch Dekorationen Diskussionsstoff für die Händler. Nieten? Ja, aber wohldosiert. Metallics? Ja, aber nur als Akzent. An Themen, die den Löwenanteil hochmodischer Kollektionen ausmachten, wurde nur genippt. Neben puristischen Ledern standen dramatische Oberflächenverarbeitungen auf der Tagesordnung – bei dem portugiesischen Fabrikat Dkode hatte man die Kollektion nach den Finishings in drei Gruppen unterteilt: in gekalkte Oberflächen, Vintage-Waschungen und metallische Beschichtungen.
In Sachen Farben wurde die Überpräsenz von Schwarz durchaus kritisch beurteilt: “Das ist immer ein Anzeichen von Angst!”, mutmaßte Fidel Tesfai vom Berliner Trendladen Shusta. Auch Dr. Gerhard Bachmaier von Högl warnte eindringlich vor “zu schwarzen Geschäften.” “Es ist wirklich schwer, schöne Farben zu finden”, beklagte Sandra Caspers, für die die vielversprechenden Wintertöne wie Ochsenblut, Petrol oder Flaschengrün in den Kollektionen nicht wirklich schön umgesetzt wurden.
Ponyfell und Animal Prints wurden als willkommene Highlights bewertet, die nicht neu, aber verkäuflich seien. Positiv nahmen viele Einkäufer die neuen Pumpsformen an, die durch spitzere Leisten, schlankere Formen und niedrigere Absätze überzeugten.