Bunt und abwechslungsreich war es in der Young Fashion-Halle. Auffällige Modelle, bunte Stände und neue Styles zogen die Besucher an, auch wenn die Frequenz zuweilen als ‘ausbaufähig’ bezeichnet wurde. Der erste und zweite Messetag brachte den Ausstellern dennoch ausreichend Einkäufer, so dass sie am traditionell ruhigen dritten Messetag zufrieden nach Hause fuhren. Vereinzelt wurde allerdings der Ruf nach ‘mehr Realismus’ laut.
Viele Standdesigns in der Young Fashion-Halle schienen von der Welt der Musik inspiriert zu sein. So wurden Besucher von Converse in eine Rockerkneipe eingeladen: Ausgestattet mit Konzertplakaten fehlte hier eigentlich nur die Rockband, die ordentlich Krach macht. Angelehnt an das Thema ‘Rock Craftmanship’ werden die Sneaker im Herbst/Winter bei Converse von Leder und Nieten bestimmt. Neu entwickelte Funktionsmembranen, dickere Sohlen, Sägezahnprofile und hohe Schäfte machen die Chuck Taylor-Typen winterfest.
Weg vom Punkrock und rein in eine gemütliche Strandatmosphäre ging es dagegen bei O’Neill. Alte Holzkisten dienten als Deko-Elemente für die Sneaker und Stiefel, die Gitarre für ein wenig Lagerfeuermusik stand schon bereit. Disco-Feeling gemixt mit Military-Elementen und Nieten en masse prägten dagegen die Schuhe und der Stand von Nat-2 und P1. Sebastian Thies, CEO von Nat-2 und Inhaber des Concept Stores Coilex in München, zog ein positives GDS-Fazit: “Alle großen Kunden waren da. Und je extremer die Schuhe sind, desto besser läuft es. Die ‘normalen’ Sachen gibt es ja schon zur Genüge im Handel.”
Spürbare Vorsicht
Zufrieden mit der Messe zeigte sich auch Marije Buren vom niederländischen Sneakerlabel Hub: “Es war phasenweise etwas ruhig, aber wir freuen uns schon auf die nächste GDS.” Sneaker in Marine, Dunkelgrün und Bordeaux, mit rutschfesten Sohlen und modischem Karofutter, wurden bei Hub besonders häufig geordert.
Neben den Sneakern waren Stiefel ein großes Thema im Young Fashion-Bereich. Bei Buffalo waren vor allem Biker-Stiefeletten – ausgestattet mit Waffelmuster und in den Farben Cognac, Bordeaux und Chocolate – gefragt. Die Trendthemen Nieten und Metallic-Oberflächen wurden dagegen nur verhalten geordert. Auch die typischen Buffalo-Plateau-Sneaker, denen in Modemagazinen immer wieder ein Comeback vorhergesagt wird, waren nur bedingt ein Thema. “Die Kunden waren spürbar vorsichtig. Viele Aussteller sind unzufrieden und äußern dies auch. Dennoch haben alle geschrieben und gehen grundsätzlich zufrieden von der Messe. Luft nach oben gibt es ja immer”, so Sonja Bolten von Buffalo.
Booties – insbesondere im Farmer-Style – mit unterschiedlichen Absatztypen und Silhouetten waren auch auf dem benachbarten Vagabond-Stand sehr gefragt. Gedeckte Farben, allen voran Schwarz, waren tonangebend. Ohnehin waren schlichte Styles bei Vagabond vorherrschend: Viele Kunden orderten schlichte Ballerinas und Pumps sowie cleane Velours-Stiefelchen. Neue Keilabsätze, spitze Formen und Plateau-Sohlen verleihen den Modellen modische Aussagekraft.
Claus Tygesen, Geschäftsführer von Vagabond, ging zufrieden aus der GDS: “Wir hatten eigentlich keine großen Erwartungen an die Messe, aber für uns lief es besser als gedacht. Am wichtigsten ist, dass man realistisch bleibt und dass bald der Frühling kommt.” Dreh- und Angelpunkt der Unzufriedenheit war bei vielen Ausstellern nach wie vor der späte Messetermin, zu dem ein großer Teil der Order ohnehin schon abgeschlossen ist. Auch bei dem spanischen Schuhhersteller Art war die Stimmung entsprechend der Messefrequenz eher abwartend: Die Kunden gingen auf Nummer sicher und seien preissensibler als noch in den vergangenen Saisons, wurde beklagt. Dennoch sei die Lage besser als in anderen Ländern.
Design Attack im Fokus
Experimentell und zuweilen avantgardistisch zeigte sich der in die Young Fashion-Halle integrierte Design-Attack-Bereich. Unter dem Motto ‘Snow TV’ verkauften hier neue Label und junge Designer an kleinen Messeständen Taschen, Tücher und weitere Accessoires. Schuhlabel wie Satorisan schrieben hier gut. Auch am Stand von Espadrij war es geschäftig. Andere Aussteller beklagten aber das mangelnde Interesse der Einkäufer.
Mit auffälligen Punk- und Rockabilly-Designs empfing MB Müller auch britische Interessenten. Insgesamt wirkten die Gänge hier jedoch leer, obwohl die traditionelle Design Attack Show die Zuschauer auch in den hinteren Bereich von Halle 3 lockte.