Für die kommenden Jahre geht GfK von einem anhaltenden – wenn auch gebremsten – Flächenwachstum aus, das durchschnittlich bei rund 0,1% p.a. liegen dürfte. Dabei wird es insbesondere an starken, etablierten Handelsstandorten zu deutlicheren Flächenzuwächsen kommen, womit sich die Polarisierung der Flächenstruktur fortsetzen wird. „Dies betrifft neben den Top-7 Standorten auch kaufkraftstarke Mittelstädte mit über die Stadtgrenzen hinausreichenden Einzugsgebieten oder ausstrahlungsstarke, autoorientierte Fachmarktstandorte“, sagt GfK-Handelsimmobilienexperte und Studienleiter Manuel Jahn.
Trotz erheblicher Marktanteilsgewinne des Online-Handels konnte keine direkte Auswirkung auf die Verkaufsfläche festgestellt werden. Flächen durch Neuprojekte würden überwiegend Flächenabgänge durch Ladenschließungen oder Insolvenzen kompensieren, berichtet GfK.
Zwischen 2002 und 2011 stieg die Verkaufsfläche im deutschen Ladeneinzelhandel noch per Saldo kontinuierlich um 0,4% bis 1,4% p.a. an. Seit 2013 sind leichte Flächenrückgange von rd. 0,1% p.a. auf aktuell rd. 117,8 Mio. Quadratmeter zu verzeichnen. Der Expansion im Lebensmitteleinzelhandel sowie einigen Neuentwicklungen oder Erweiterungen, insbesondere bei Shopping-Centern, steht die Aufgabe von Geschäften, beispielsweise im Möbel- und Bekleidungssegment gegenüber. Die Marktbereinigungen betrafen dabei vor allem kleinere, regional agierende Möbelfachgeschäfte sowie Textilanbieter in ländlichen, wenig agglomerierten Gebieten. Ebenso drückten Warenhausschließungen sowie die verbreiteten Filialverkleinerungen von Elektrofachmärkten und Buchkaufhäusern auf die Flächenstatistik.
Im laufenden Jahr 2015 rechnet das Marktforschungsunternehmen mit einem Anstieg der Einzelhandelsverkaufsfläche um 0,2% (0,2 Mio. qm) auf rund 118 Mio. qm, womit knapp das „Vor-Schleckerpleiten-Niveau“ aus dem Jahr 2011 erreicht wird.
Getrieben wird das Flächenwachstum laut GfK durch die Neuentwicklung von Flächen in Einkaufs- und Fachmarktzentren, die anhaltende Nachfrage von Einzelhändlern aus dem Ausland, die Großflächenexpansion im Möbel- und Baumarktsegment, aber auch durch die aktuell sehr expansiven Drogeriemärkte bzw. die Tendenz zu größeren Filialen im Lebensmittelhandel.
Laut der von GfK entwickelten Verkaufsflächenprognose ist eine Flächenerweiterung von in Summe knapp 1% bis 2020 und von knapp 0,5% bis 2025 zu erwarten. Die Verkaufsfläche dürfte somit auf rund 119 Millionen im Jahre 2020 und rund 119,5 Mio. Quadratmeter im Jahre 2025 anwachsen. Allerdings wird sich das Flächenwachstum weiterhin recht ungleich in Deutschland entwickeln. Diese zeigen sich nicht nur in den vom Online-Handel unterschiedlich betroffenen Sortimenten, sondern auch in der unterschiedlichen Entwicklung der Betriebstypen und Standortlagen.
Shoppingcenter gehören nach Ansicht von GfK zu den Wachstumstreibern der Verkaufsflächenentwicklung. Allein die Verkaufsfläche der deutschen Shoppingcenter ist in den letzten 10 Jahren um 3% p.a. gewachsen. Auch wenn die Projektpipeline weniger stark befüllt ist als in der Vergangenheit, geht GfK auch zukünftig von einer weiter steigenden Centerverkaufsfläche aus, da zukünftig die Erweiterung von bestehenden Centern im Fokus der Betreiber stehen dürfte. Ebenso zählt die Verkaufsfläche in den zentralen städtischen Einkaufs- und ausgewählten großstädtischen Szenelagen zu den Wachstumspolen im Einzelhandel. In den Innenstädten der 82 bundesdeutschen Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern ist die Verkaufsfläche im Zeitraum von 2010-2014 um ca. 7% gestiegen.
GfK erwartet hingegen, dass Standorte, in denen die Erosion des Einzelhandelsbesatzes schon seit Jahrzehnten zu beobachten ist, überproportional verlieren werden: benachteiligte Kleinstädte, periphere und wenig verdichte ländliche Räume sowie Nebenlagen in allen Städtekategorien.