Digitalisierung, die ’verlängerte Ladentheke‘, Cross-Channel-Anwendungen: Neue Begriffe, die vielen alten Hasen des Einzelhandels manchmal etwas Unbehagen bereiten können. Der persönliche Kundenkontakt geht verloren, Arbeitsplätze werden von digitalen Tools abgelöst und der Kunde shoppt wahrscheinlich gar nicht mehr im klassischen Geschäft – so die weit verbreiteten Befürchtungen von Verkäuferinnen und Co. Das haptische Ertasten von Materialien, die reale Anprobe, eine Abstimmung von Passformen und eine kompetente Größenberatung kann jedoch nicht durch virtuelle Algorithmen ersetzt werden. Dennoch beschleunigt die Digitalisierung die Geschäftsprozesse, trägt zu einem ganzheitlichen Einkaufserlebnis bei und schafft Freiräume – sowohl auf Kundenseite als auch beim Verkaufspersonal. Dementsprechend sollte sich der Einzelhandel und damit auch das Verkaufspersonal ein wenig mit den neuen digitalen Optionen befassen, Fachbegriffe kennen und die technischen Mittel vielleicht sogar in die persönliche Beratung integrieren. Die Welt dreht sich mit der Digitalisierung etwas schneller.
Einen Grundstein für einen offenen Umgang mit Digitalisierung bildet das Wissen über die technischen Möglichkeiten.
I love shoes geht den fünf wichtigsten Fachbegriffen der Digitalisierung auf den Grund, erklärt wöchentlich einen dieser zentralen Termini und beantwortet Fragen rund um die Basics der Thematik und zeigt Chancen für den Einzelhandel und Sie als Verkäuferin auf.
Multi–Channel–Retailing
Wenn es um Digitalisierung im Handel geht, ist der Begriff ’Multi-Channel-Retailing‘ derzeit der absolute Spitzenreiter in branchenübergreifenden Diskussionen – dementsprechend ist es für Verkäuferinnen besonders relevant, sich mit sogenannten Multi-Channel-Konzepten auszukennen oder zumindest zu wissen, was der Begriff genau meint. Laut dem Gabler Wirtschaftslexikon meint Multi-Channel-Retailing ’mehrgleisigen Vertrieb, mehrgleisige Distribution, hybride Verkaufssysteme, mehrgleisigen Einzelhandel und ein Mehrkanalsystem im Einzelhandel‘. Diese Synonyme meinen eigentlich nur eins: Der Kunde hat bei Multi- oder auch Omni-Channel-Angeboten die Möglichkeit, zwischen mehreren Kanälen zu wählen, um Produkte zu erwerben oder Leistungen in Anspruch zu nehmen.
Ein kleines Beispiel zur Verdeutlichung: Eine Kundin sieht einen Schuh bei einem Bummel durch die Stadt, hat aber beispielsweise keine Zeit oder einfach keine Lust, diesen sofort anzuprobieren und zu kaufen. Kein Problem, denn im Online-Shop der Marke bekommt sie die Möglichkeit geboten, das Produkt nachträglich und ganz bequem von zu Hause aus zu erwerben. In dem Beispiel kann der Kunde zwei unterschiedliche Kanäle nutzen – den stationären Point of sale und die digitale Plattform, die App oder aber eine ganz klassische Katalogbestellung kann einen weiteren Vertriebsweg bilden.
Die Vorteile von Multi-Channel-Retailing liegen auf der Hand: Der Kunde bekommt einen flexiblen Einkaufsprozess geboten. Außerdem kann eine dementsprechende Verknüpfung im Verkauf auch für das Marketing genutzt werden, denn offline können Produkte heute kaum noch ausreichend beworben werden. Die Integration eines Online-Shops eröffnet die Option, Newsletter an den Kundenstamm zu versenden, wenn beispielsweise Events im Store oder spezielle Verkaufsaktionen bevorstehen. Soziale Netzwerke dienen ebenfalls dazu, Kunden auf digitaler Ebene auf den Store aufmerksam zu machen.
Kurz und knackig: Unter Multi-Channel-Retailing versteht man den Verkauf über unterschiedliche Kanäle – beispielsweise durch die Kombination von virtuellem und realem Shop.