Komfort, Stil, Preis oder Alltagstauglichkeit: Welche Faktoren entscheiden heute tatsächlich über den Schuhkauf? Hat sich die Gewichtung in den vergangenen Jahren verändert?
Beim konkreten Schuhkauf stehen Passform und Komfort ganz weit vorne. Rund drei Viertel haben schon einmal auf einen Schuh verzichtet, der ihnen optisch eigentlich gefallen hat, weil sie Zweifel an Komfort oder Fußgesundheit hatten. Das ist schon eine ziemlich deutliche Aussage.
Bei einem direkten Zeitvergleich müssen wir allerdings vorsichtig sein, weil die europäische Studie deutlich breiter angelegt ist als unsere früheren Untersuchungen. Was wir aber sehen: Die Ansprüche an einen Schuh werden nicht kleiner, sondern größer. Optik, Komfort, Qualität und Preis müssen immer stärker zusammenspielen.
Die Studie analysiert die gesamte Customer Journey. An welcher Stelle verlieren stationäre Händler heute die meisten Kunden und wie könnten sie gegensteuern?
Interessanterweise sind es häufig gar nicht Beratung oder Öffnungszeiten, die den stationären Schuhkauf erschweren, sondern Sortiment und Verfügbarkeit. In Deutschland sagen 30 %, dass ihnen die Auswahl in der eigenen Größe fehlt. Rund ein Viertel findet nicht schnell genug ein passendes Modell. Genau dort kann der Handel ganz konkret ansetzen: Größen, Weiten und Verfügbarkeiten besser steuern und dem Kunden schnell zeigen, welche passenden Modelle tatsächlich vorhanden sind – im Geschäft genauso wie digital.
Welche Rolle spielen soziale Medien, KI und digitale Informationsquellen inzwischen bei der Kaufentscheidung? Muss sich der klassische Schuhhandel hier deutlich stärker engagieren?
Social Media spielt durchaus eine Rolle, aber stärker bei der Inspiration als bei der konkreten Kaufvorbereitung. Bei KI und anderen digitalen Hilfen stehen wir dagegen noch relativ am Anfang: Rund 40 % haben bislang keine davon beim Schuhkauf genutzt.
Gleichzeitig sehen wir eine grundsätzliche Offenheit gegenüber digitalen Angeboten. Entscheidend wird sein, ob sie dem Kunden einen wirklichen Mehrwert bieten. Eine digitale Anwendung muss ein konkretes Problem lösen oder den Einkauf einfacher machen. Technik nur um der Technik willen wird den Schuhhandel nicht weiterbringen.