Kerzengerade in der Haltung, verbindlich im Gespräch, interessiert und zugänglich: So haben viele Menschen in der Schuhbranche den Berliner Unternehmer Hans Leinweber erlebt. Er liebte Schuhe und lebte für sein Unternehmen, die AS-Gruppe (u.a. Aktiv-Schuh, Shoe City).
In dieses war er quasi hineingeboren worden: Sein Großvater, der Schuhmachermeister Wilhelm Lehmann, hatte den Grundstein dafür gelegt. Dessen Sohn Max führte das Unternehmen nach dem Tod Lehmanns durch die Kriegsjahre. Nach Max’ Tod übernahm seine Ehefrau Erna die Geschäfte. In den 60er-Jahren übernahm ihr Sohn Hans Leinweber das Schuhhaus und führte es zunächst allein, später gemeinsam mit seiner Frau Maria de Lurdes Carvalho Leinweber. Unter seiner Führung kamen neue Standorte hinzu, aus dem Schuhhaus wurde ein Filialist: Mit viel Fleiß und dem Mut, Neues auszuprobieren, entwickelte Hans Leinweber das Familienunternehmen weiter. Dabei legte der Chef Wert darauf, auf Augenhöhe mit den Menschen zu kommunizieren; den Mitarbeitenden ebenso wie den Lieferanten. Leinweber schonte sich selber nie und war für alle immer erreichbar. Jeden Samstag unternahm der Chef Touren in die Filialen. Und gab es verkaufsoffene Sonntage, war es für den Unternehmer selbstverständlich, mit vor Ort zu sein, um seinem Team zu signalisieren: Hier packt jeder mit an. Hans Leinweber erzog seine Söhne Marc und Timo gemäß dieser Philosophie. Schon als Jugendliche wurden beide vom Vater angehalten, im Unternehmen mitzuhelfen, um sich ihr Taschengeld zu verdienen. So lernten sie, dass man Leistung erbringen muss, wenn man etwas erreichen will. Den Führerschein erarbeiteten sich beide auf diese Weise. Und durften – statt mit einem nagelneuen Auto durch Berlins Straßen zu cruisen – den firmeneigenen Kastenwagen ausleihen. Aus Statussymbolen machte sich Hans Leinweber nichts. Und er legte Wert darauf, dass seine Söhne und deren Familien das ebenso sahen.
Hans Leinweber war ein „Handschlagtyp“. Eine getroffene Vereinbarung war für ihn bindend. Er konnte streng sein und manchmal hart. Und war ihm eine Sache wichtig, dann konnte er darum auch streiten. Aber, so schildern es Wegbegleiter, er war immer fair. Mit Lob war er sparsam. Erfolge von Mitbewerbern konnte er aber anerkennen und versuchte, daraus zu lernen. Klarheit und Anstand waren für ihn wichtig. Und es fiel ihm schwer, zu akzeptieren, wenn andere das anders sahen. Er war, so berichten es seine Söhne Marc und Timo, „aus purer Leidenschaft und Überzeugung Schuhhändler“.
Zeit für Hobbies nahm sich Hans Leinweber selten. Das Unternehmen stand für ihn immer an erster Stelle. Er war gesellig und traf sich gern gelegentlich mit Freunden oder ging ins Kino. Mit großer Leidenschaft unternahm er gemeinsam mit seiner Ehefrau und oft auch der gesamten Familie Reisen in verschiedene Länder. Auch bei diesen Gelegenheiten war „seine Branche“ immer mit dabei. „Wenn es neben dem Eiffelturm ein Schuhgeschäft gegeben hätte, hätte er sich zuerst für die Besichtigung des Schuhgeschäfts entschieden“, so formulieren es Marc und Timo, die 2010 in die Geschäftsführung der Unternehmensgruppe eintraten. Mitte der 2010er-Jahre zog sich Hans Leinweber aus dem Operativen zurück. Er beobachtete aber weiterhin sehr interessiert das Geschehen in der Branche und stand mit Rat und Tat „seinem“ Unternehmen und seiner Familie zur Seite. Noch bis wenige Tage vor seinem Tod hat Hans Leinweber die Fachpresse intensiv studiert und war bestens im Bilde zu sämtlichen Geschehnissen und Ereignissen. Hans Leinweber starb am 15. Juni 2025 mit 84 Jahren nach langer, schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie.