„Wir müssen die Absätze hinten erneuern“, erklärt Schuhmachermeister Ralf Bienemann der Kundin, die ihre schwarzen gefütterten Winterboots mit der Profilsohle zur Reparatur bringt. „Die Absätze hinten an der äußeren Ecke und vorne die Spitze sind als erstes abgelaufen, da die meisten Menschen über die Großzehe und dem Ballen zur Außenseite des Fußes gehen.“ Mit fachmännischem Blick begutachtet Bienemann als nächstes ein Paar Herrenboots, die dem Kunden seitlich am Knöchel drücken. Einige Handwerksgriffe später fühlt sich die Stelle weich und geschmeidig an. Und auch die ältere Dame freut sich, als Ralf Bienemann ihr die neuen Schnürsenkel durch die engen Ösen zieht. „Schuhreparaturen haben zugenommen, auch aus Nachhaltigkeitsgründen oder weil es der gut eingelaufene Lieblingsschuh ist“, so Ralf Bienemann, zu dem zahlreiche Stammkunden auf die Luegallee im Düsseldorfer Stadtteil Oberkassel kommen. Man kennt sich, viele Düsseldorfer, aber auch aus ganz Deutschland lassen die Leute hier ihre Schuhe reparieren. Selbst in Venezuela hat der Schuhspezialist einen Kunden, der früher in Düsseldorf lebte und ihm heute noch treu ist. „Wir stehen für qualitativ hochwertige Reparaturen“, sagt Bienemann mit Stolz. „Mein Ziel ist es, dass alle zufrieden und ohne Schmerzen durchs Leben gehen“, lautet sein Anspruch.
Mit roter Fortuna Düsseldorf-Schürze startet Ralf Bienemann voller Tatendrang in den Tag. Der Fußball-Zweitligist ist nach den Schuhen seine zweite Leidenschaft. Vormittags unterstützt ihn seine Ehefrau Sandrina im Verkauf, dann kann sich der Schuhmachermeister den zahlreichen Reparaturaufträgen widmen. Seine Werkstatt befindet sich im hinteren Teil des Geschäfts. Viele Arbeiten erledigt er mit Hammer, Nägeln, Kleber und handwerklichem Geschick. Aber ganz ohne professionelle Hilfe geht es nicht. Meisterleistungen vollbringt Bienemann mit seinen Spezialmaschinen, die heute teilweise nicht mehr hergestellt werden und die er selbst repariert und wartet. Mit der Doppelnähmaschine Frobana näht er Rahmen und Sohle fest. Vorher sprüht er den Rahmen mit Spiritus ein, damit das Leder geschmeidig wird und Faden und Nadel besser durchgleiten. Mokassins repariert er auf einer speziellen Durchnähmaschine und mit Hilfe der historischen Adler-Nähmaschine erledigt er die Schaftarbeiten am Schuh und Taschenarbeiten. Filigrane, hochhackige Pumps erfordern besondere Sorgfalt und auch Handtaschen poliert er neu auf. Auf dem mittleren Tisch stehen einige verschmutzte Sneaker, die der Schuhmacher sorgfältig reinigt und an sensiblen Stellen die Farbe auffrischt. Schleif- und Poliermaschinen geben den Schuhen den letzten Schliff. „Anschließend sehen die wie neu aus“, so Bienemann. Selbst Exoten wie Reitstiefel, Ski- und Schlittschuhe gehören zu seinen täglichen Herausforderungen.