Rund 300 Marken aus knapp 30 Ländern stellten ihre Kollektionen für F/S 2026 vor. „Unsere Messe ist ein Fixpunkt in einer sich wandelnden Branche, ein Pflichttermin für Einkäufer aus aller Welt. Gerade in volatilen Zeiten bleibt die ILM ein Ort, an dem Verbindlichkeit, Vertrauen und klare Orientierung geschaffen werden“, resümiert Arnd Hinrich Kappe, Geschäftsführer der Messe Offenbach. „Kein anderes Format vereint ein derart breites Spektrum an Marken und Kollektionen in einem kompakten Umfeld.“
Neben ihrer Funktion als Ordermesse versteht sich die ILM als Raum für Dialog und Austausch zwischen Industrie und Handel. „Eine Messe lebt, wenn sie zum Ort der Möglichkeiten wird“, so Arnd Hinrich Kappe. Er unterstreicht damit den Anspruch der ILM, über die reine Produktschau hinaus ein Katalysator für Veränderung und Zukunft der Branche sein zu wollen. Networking-Angebote, Live-Musik und begleitende Marketingaktionen leisteten dazu ihren Beitrag.
Dieser Ansatz wird verstanden und gesucht. „Wir schätzen den Austausch mit Kollegen und Lieferanten“, sagen Andrea Holert und Hans-Hermann Cordes von Holert Lederwaren in Oldenburg. Zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Babett Grieffenhagen besuchen sie die Messe zwei Tage lang. „Dabei geht es für uns vor allem um den Blick über den Tellerrand und die Order hinaus.“ Dominique Großkurth vom Label Got Bag ergänzt: „Gute Ideen seitens der Messe haben viele Menschen in die Halle gebracht und die Kreativität der Besucher angeregt.“
Die Rückkehr internationaler Marken unterstreicht die Bedeutung der ILM. „Wir sind nach acht Jahren zum ersten Mal wieder dabei und sehr zufrieden mit unserem Comeback. Die Messe bietet uns die Möglichkeit, den deutschen Markt erneut zu bearbeiten sowie internationale Kontakte zu pflegen und neu aufzubauen. Die Stimmung würde ich mit ‚ça va‘ bezeichnen“, erklärte Matthias Deguigne vom Reisegepäck-Anbieter Delsey.
Doch natürlich steht die ILM nicht zuletzt für die gezielte Order und Auftragsvergabe. Dass angesichts der Situation die Bäume nicht in den Himmel wachsen, ist allen Beteiligten bewusst. „Die Frequenz ist nicht so gut. Insgesamt kommen weniger Händler, aber die, die kommen, bestellen wie immer. Die Messe spiegelt die Konjunktur wider. Europa ist allgemein wirtschaftlich problematisch, aber Deutschland hat das geringste Wachstum. Das drückt auf die Stimmung. Wir brauchen eine wirtschaftliche Wende“, erklärt Stefan Bruder vom Taschenhersteller Abro. Christiane Brunk von Braun Büffel, bilanziert: „Die Messe verlief sehr gut für uns, die Kunden sind in besserer Stimmung, als wir erwartet haben. Natürlich gibt es Probleme mit Frequenzen und einer gewissen Kaufzurückhaltung im Handel, aber wenn das Produkt stimmt, wird auch gekauft.“ Der Auftragseingang während der Messe liege über Vorjahresniveau. „Wir sind sehr zufrieden.“ Georg Picard (Picard Lederwaren) war am Samstag „sehr zufrieden“. Am Sonntag sei „interessanterweise wenig los“. Viele Kunden aus dem Norden besuchten unseren Showroom und kämen nicht mehr zur ILM. Die Kunden aus Bayern und Baden-Württemberg seien hingegen trotz Ferienzeit da. Und: „Erfreulicherweise haben wir auch neue Kunden aus Deutschland und dem Ausland gewonnen, darunter neue Geschäftstypen wie Schreibwaren und Schulbedarf, die ihr Sortiment um Taschen ergänzen.“
Gute Stimmung herrschte auch bei zwei Ausstellern in Halle D2. „Das war qualitativ eine hervorragende Messe“, so Marcel Schröder von Fond Of. „Alles, was Rang und Namen hat, war da. Klar, es werden nicht mehr Händler und Hersteller, aber wir müssen alles daransetzen, die Qualität der Besucher hochzuhalten. Die ILM bleibt der wichtigste Branchentreff; auch die Nachbarländer kommen. Wir gehen mit einem positiven Gefühl. Und bleiben gelassen – wenn es nicht mehr Händler gibt, können wir sie nicht backen.“ Leonhard Roßkopf von Hama ergänzt: „Die Anzahl der Händler könnte mehr sein, aber die Qualität war super. Der Sonntag war irre – der Stand war voll von morgens an.“
Wachsende Internationalität
Vor dem Hintergrund des Händlersterbens im Fachhandel gewinnt die Internationalität für die Aussteller an Bedeutung. „Für uns wird der Auslandsbesuch auf der ILM immer wichtiger“, sagt Dr. Oliver Brosche von Heinrich Sieber. „Daher freue ich mich, dass wir bereits am Samstagvormittag Kunden aus Finnland, USA und Italien begrüßen konnten.“ Aleksandar Kusturic (Reisenthel) ergänzt: „Die Frequenz war im Allgemeinen vielleicht etwas geringer, aber bei uns war es immer voll. Neben deutschen Kunden haben wir viele Händler aus Benelux und Österreich gesehen.“ Arne Borrey von Vocier bestätigt: „Was die Struktur der ILM betrifft, stellen wir mehr Internationalität fest. Das gilt auch für die Besucher: 70 % meiner Kunden sind aus dem Ausland.“
Darüber hinaus fordert er die Messe Offenbach aber zum Handeln auf. „Wir müssen enger zusammenrücken. Oben im C-Bereich stehen wir etwas isoliert. Und die Branche wird schließlich immer kleiner.“ Lücken bzw. Ruhezonen waren im Übrigen auch andernorts zu sehen – besonders augenscheinlich in der obersten Etage in Halle D4.
Trends im F/S 2026
Im Fokus für die kommende Saison steht unter anderem Veloursleder. Darüber hinaus prägen Pastellfarben und natürliche Nuancen – allen voran helle, vielseitig kombinierbare Creme-Töne – das kommende Sortiment. Animal Prints behaupten ihre Stellung. Zum Dauerbrenner Leopardenmuster gesellen sich Kuh- und Zebra-Prints. Dave de Boer von Fashion Solutions (Mandarina Duck, Valentino, Guess) hebt natürliche Materialien wie Canvas und Raffia oder besondere Flechtungen hervor. „Modisch laufen Brauntöne sowie unsere Nummer eins, ein Sahne-Creme-Ton, hervorragend“, sagt Georg Picard. Und er beobachtet: „Junge Leute stehen auf Vintage-Gold – ein Thema, das man im Auge behalten sollte.“