Wenn die Seite keine .de-Endung hat – und das sind viele –, stehen die Chancen über juristischem oder politischem Weg noch schlechter. Deswegen müssen sich Unternehmen in den meisten Fällen selbst darum kümmern, Imitate entfernen zu lassen. Dafür muss entweder der Registrar – die Organisation, die die Domains verwaltet – kontaktiert werden oder der Hoster, der den Server bereitstellt. In beiden Fällen ist es am erfolgversprechendsten, eine Markenrechtsverletzung zu melden. Gerade beim Hoster gleicht es allerdings einem Glücksspiel, ob und wie schnell reagiert wird, so Feist: „Die Seite kann dann nach einem Tag offline gehen, aber es kann sich genauso gut niemand melden.“ Es ist aufwändig und damit auch teuer, bei der Vielzahl an Webseiten die Hoster herauszufinden und zu kontaktieren. Und es gibt das Risiko, dass diese sich gar nicht melden. Selbst wenn es gelingt, können die Fakeshop-Betreiber für jede gelöschte Seite immer wieder neue Seiten erstellen lassen. Lohnen kann es sich trotzdem, weiß der Experte: „Die größten Markenbetreiber wie Nike oder Adidas schaffen es, so viel Gegenwind zu machen, dass sie mittlerweile den Erfolg merken.“ Wenn ein Unternehmen häufig genug gegen die Fakeshop-Betreiber vorgeht, wird es ihnen zu aufwändig und sie suchen sich leichtere Opfer. Das hilft dem Unternehmen, nicht jedoch der Branche als solche. Um das Phänomen allgemein zu bekämpfen, bräuchte es eine unternehmensübergreifende Initiative.
Erfolgsgeschichten benötigen viel Geduld
Eine Alternative ist es, Google über den Dienst Google Safe Browsing zu kontaktieren, damit die Seite zumindest aus der Suche verschwindet. „Allerdings ist unser Eindruck nicht, dass da so schnell etwas passiert“, ordnet Feist ein. Neben dem direkten Kampf rät er daher dazu, mit dem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen. „Viele sind skeptisch, das Thema publik zu machen, um die Marke nicht zu schädigen. Aber es ist unserer Erfahrung nach immer eine gute Idee, die bekannten Fakeshops zu kommunizieren. So können Leute, die kurz vor dem Kauf noch einmal recherchieren, auf die Warnung stoßen.“ So macht es zum Beispiel Josef Seibel. Im offiziellen Online-Shop gibt es eine Liste mit Fakeshops, vor denen gewarnt wird. Seit dem Markenrelaunch 2021 sei Josef Seibel im Internet sichtbarer und ab diesem Zeitpunkt hätten sich auch die Imitate gemehrt. Sie würden dabei immer besser, erklärt Nina Seidens vom E-Commerce-Team des Hauensteiner Schuhherstellers: „Manche Seiten erstellen nicht nur informative Produktseiten, sondern auch den Teil ’Über uns‘, in dem sie über die Firmengeschichte berichten. Wenn solche Teilseiten zu finden sind, fühlen sich die Kunden sicherer, wenn sie nicht nur die Produkte sehen, sondern auch noch Informationen und Bilder des Unternehmens.“ Vor allem die Nutzung von KI mache es den Betreibern heute leicht, die Seiten möglichst professionell aussehen zu lassen.