Waren Sie in den letzten Monaten mal in Mannheim? Falls ja, sind Ihnen vielleicht auf den Planken, in schönster Einkaufslage, die Tesla-Fahrzeuge im Schaufenster von Engelhorn aufgefallen. Tesla? In der City? Bei einem Modehaus? Ergibt das Sinn? Die Verantwortlichen bei Engelhorn sagen: Ja. Und die Resonanz gibt ihnen Recht. Wie kürzlich beim Besuch in der Stadt live erlebt: Eine Familie flanierte bei Engelhorn vorbei. Mutter, Vater und ein Teenager-Sohn. Die Mutter zog es ins Modehaus. Der Sohn winkte gelassen ab und sagte: „Lass Dir Zeit beim Shoppen, Papa und ich gucken in der Zeit Autos.“ Damit wäre die Sinnhaftigkeit einer solchen Kooperation auch schon erklärt. Es funktioniert! Der Sexappeal der Automarke aus Kalifornien ist ungebrochen. Und wenngleich es eher die E-Bikes sind, die bei Engelhorn verkauft werden, so ist es dennoch spannend, die edlen Automobile einmal in Originalgröße zu bestaunen. Das schafft Aufenthaltsqualität, das ist etwas Neues, das macht Spaß. Die Verantwortlichen bei Engelhorn sehen das ebenso – sie wollen Neugierde wecken und neue Impulse setzen. Und mehr sein als ’nur‘ ein Modehaus.
Der Wirbelsturm der Veränderung, in dessen Auge sich auch unsere Branche derzeit befindet, erfordert permanentes Neu-Denken, Neu-Justieren, Neu-Wagen. Und ja: Dies muss zusätzlich zu all dem alltäglichen Aufwand geschehen, den man ohnehin betreiben muss. Der wichtigste Orientierungspunkt ist dabei – immer wieder – der Kunde: Was will er heute? Morgen? Wie tickt er? Was interessiert ihn? Was nicht? Wer das wirklich weiß, wird seinem Kunden auch die Dinge bieten können, die Spaß machen, inspirieren, vielleicht sogar Sehnsucht wecken. Und zum Kauf bewegen.
Wenn das einzige ’Angebot‘, das Verbraucher im Handel wahrnehmen, 20% auf alles ist, reicht das nicht. Es steht aber zu befürchten, dass schon in den nächsten Wochen die Rabattschlachten wieder starten. Business as usual. An dieser Stelle ist schon viele Male über die Herausforderungen für den stationären Handel gesprochen worden. Und ebenso über die Chancen. Es gibt sie – daran besteht kein Zweifel. Viele Unternehmen sind eifrig bemüht, manche 24/7, um im Sinne ihrer Kunden zu agieren und beweglich zu bleiben. Sie kümmern sich, bleiben im Dialog mit Kollegen, probieren Neues aus – vielleicht mal einen Pop-up-Store oder ein Event mit guten Weinen nach Feierabend. Diese Unternehmer vernetzen sich und tauschen sich aus. Sie agieren nach der ’Lass uns das mal machen‘-Methode und erweitern ihren Erfahrungsschatz. Manchmal aber, so scheint es, wird doch lieber verharrt und abgewartet, die Verantwortung bei anderen gesucht und, ja, geklagt. Das ist schade – und leider nicht zielführend. Übrigens: Tesla soll auf der Suche nach weiteren Innenstadt-Standorten in Deutschland sein. Vielleicht eine Idee…