Im Januar hatte Schuhpark Fascies beim Amtsgericht Münster einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenregie gestellt. Dr. Georg Bernsau und Andreas Pantlen von der Kanzlei BBL waren anschließend in die Geschäftsführung eingetreten, um das Unternehmen bei seiner Restrukturierung zu begleiten. Das Unternehmen wurde in nur fünf Monaten im Eigenverwaltungsverfahren vollständig saniert, teilt BBL Anfang Juli mit. Schlecht laufende Filialen wurden geschlossen, für andere Filialen mit schwacher Performance wurden die Mieten nachverhandelt, der E-Commerce wurde weiter ausgebaut. Mit dem Einstieg der Kienast Gruppe habe man zudem eine gute Nachfolgeregelung finden und einen Großteil der Arbeitsplätze retten können. Wie die Westfälischen Nachrichten berichten, wird Kienast 70 der ehemals insgesamt 88 Filialen weiterführen. 700 von 900 Arbeitsplätzen bleiben erhalten. Dagegen sollen die Verwaltung und die Logistik von Fascies in Warendorf zum 30. Juni 2020 geschlossen werden.
Schuhpark Fascies: Hohe Insolvenzquote erreicht
Im Rahmen des Insolvenzplans, der von den Gläubigern am 14. Mai verabschiedet wurde, hatten die Experten eine Insolvenzquote von rund 20 % errechnet. Dank der sehr erfolgreichen Weiterführung des Unternehmens, der Organisation des Abverkaufs in den zur Schließung bestimmten Filialen durch die weiterhin sehr motivierten Mitarbeiter, konnte die Quote nach Angaben von BBL aber tatsächlich auf über 40% gesteigert werden. „Wären in diesem Verfahren sämtliche Vermögensgegenstände des Unternehmens verwertet und der Betrieb eingestellt worden, wären mehrere hundert Arbeitsplätze verloren gewesen und die Gläubiger hätten eine wesentlich geringere Quote erhalten“, betont Georg Bernsau. „Glücklicherweise hat Herr Fascies rechtzeitig die Konsequenz aus der wirtschaftlichen Schieflage seiner Schuhkette gezogen und das Verfahren in Eigenverwaltung zu einem Zeitpunkt eingeleitet, als es noch einen sehr großen Gestaltungsspielraum gab.“