Die italienischen Maschinenhersteller für die Schuh-, Lederwaren- und Gerbereibranche mussten 2024 einen Umsatzrückgang von 12% hinnehmen. Nach vorläufigen Zahlen liegt der Branchenumsatz bei rund 575 Mio. Euro. Das teilte der Branchenverband Assomac auf seiner Generalversammlung im Innovationszentrum „Kilometro Rosso“ am 20. Juni in Bergamo mit.
Verantwortlich für die deutlichen Rückgänge sind laut dem Verband sowohl eine Investitionszurückhaltung im heimischen Markt als auch das schwächelnde Exportgeschäft – bedingt durch geopolitische Unsicherheiten, steigende Kosten, Konsumzurückhaltung und zunehmenden Protektionismus.
„Unsere Branche befindet sich in einer tiefgreifenden, aber nicht irreversiblen Krise“, erklärte Assomac-Präsident Mauro Bergozza. „Wir brauchen Investitionen in Digitalisierung, Automatisierung, Nachhaltigkeit – und vor allem eine gemeinsame Vision von Unternehmen, Politik, Bildung und Forschung. Wenn wir keinen Schulterschluss schaffen, bleiben wir Zuschauer am Weltmarkt.“
Trotz rückläufiger Zahlen behauptet Italien laut dem Verband seine Spitzenposition im Hightech-Segment: 2024 entfielen weiterhin 30% des weltweiten Exports von Maschinen für die Schuh- und Lederverarbeitung auf italienische Anbieter. Besonders stark ist die Position im Bereich Gerbereimaschinen (52% Weltmarktanteil) und Maschinen für Lederwaren (35%). Deutlich schwächer zeigt sich das Schuhsegment mit 12% – hier verschärft der wachsende Einfluss chinesischer Anbieter den Wettbewerbsdruck.
Im Rahmen der Assomac-Versammlung diskutierten Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über die Zukunft der Branche. Unter dem Titel „Wachstum, Zusammenarbeit und Innovation für die europäische Modeindustrie“ plädierten die Teilnehmenden für technologische Offenheit, industriepolitische Unterstützung und ein starkes europäisches Engagement zur Sicherung des industriellen Kerns der Modewirtschaft.
Zentrale Forderungen: einfacher Zugang zu Fördermitteln (z. B. über das Programm Industrie 5.0), gezielte Exportförderung für neue Wachstumsmärkte in Afrika, Indien, Südostasien und Südamerika sowie mehr Investitionen in technische Ausbildung und Digitalisierung.
„Wir müssen ein System schaffen, das Unternehmen nicht nur technologisch, sondern auch in Fragen der Infrastruktur, Industriepolitik und internationalen Beziehungen unterstützt“, forderte Bergozza. „Italien kann wieder eine führende Rolle einnehmen – wenn wir den Mut zu langfristigem Denken, gemeinsamen Investitionen und entschlossener Zusammenarbeit haben. Die Zeit zu handeln ist jetzt.“