Druck beschreibt die Wirkung einer auf eine Fläche einwirkende Kraft. Diese Definition aus der Physik erklärt mit verblüffender Präzision die Lage unserer Branche. Ja, es ist Druck auf der Fläche. Massiv. Er wird von verschiedenen Kräften ausgeübt. Und allseits wird nach Lösungen gesucht, um den Druck zu minimieren – oder ihm besser standhalten zu können.
Naheliegend ist es da, sich zu verbünden, um sich den Herausforderungen effizienter stellen zu können. Und so stand auch das diesjährige HDS/L-Symposium am 31. Mai ganz im Zeichen der Kooperation. Gemeinsame Lösungen finden. Zusammen die Aufgaben bewältigen. Partnerschaft auf Augenhöhe anstreben – Aussagen wie diese zogen sich wie ein roter Faden durch die Vorträge des Branchentreffens. Es ist das Mantra dieser Zeit. Die Beschwörungs-Formel unserer Branche. Seit Jahren wird beharrlich das ’Gemeinsam sind wir stark‘-Prinzip bemüht.
Dabei scheint es jedoch immer zwei Versionen zu geben. Eine offizielle, die kraftvoll Optimismus und eine ’Packen wir es an!‘-Haltung verbreitet. Und eine hinter vorgehaltener Hand formulierte, die bestenfalls impliziert, dass doch in erster Linie bitte der andere sich gefälligst bewegen möge. Und die schlimmstenfalls eine regelrechte Blockadehaltung ausdrückt, voller Misstrauen und mit einer latenten Arroganz dem vermeintlichen Partner gegenüber.
Mit dieser ’inoffiziellen‘ Haltung sind viele Partnerschaftsbemühungen der letzten Jahre ausgebremst worden. Manches blieb hinter seinen Möglichkeiten zurück – EDI ist nur ein Beispiel. Das war zu verschmerzen, so lange man die Strukturveränderungen in unserer Branche nur kommen sah. Jetzt aber sind sie Realität. Jetzt ist mächtig Druck auf der Fläche und der Punkt erreicht, an dem keine Zeit mehr ist für Lippenbekenntnisse und Blockadehaltung. Die Sorge darum, dass der andere etwas wissen oder erfahren könnte, was ihm einen Wettbewerbsvorteil verschaffen könnte, muss abgestreift werden. Darum war es richtig und wichtig, beim HDS/L-Symposium die alternativlose Partnerschaft zwischen den Akteuren unserer Branche zu unterstreichen. Der neue HDS/L-Vorstandsvorsitzende Carl-August Seibel betonte zu recht, dass Handel und Industrie sich deutlich mehr aufeinander zu bewegen müssen. Jetzt oder nie ist es erforderlich, über die Grenzen des eigenen Horizonts hinweg zu blicken und entsprechend zu handeln. Netzwerke zu bilden, innerhalb derer viele Teilnehmer ehrlich und zielorientiert – und frei von Misstrauen – interagieren. Hier sei nochmals die Physik bemüht: Druck nimmt ab, wenn die Oberfläche, auf die er trifft, größer wird. Je mehr Branchenakteure sich gemeinsam den wirkenden Kräften entgegenstellen, desto weniger Druck lastet also auf dem Einzelnen.