Im Vermietungsmarkt in Deutschland zeichnet sich dem Immobilienberater Jones Lang LaSalle (JLL) zufolge der Trend ab, dass die Vermietungen kleinerer Einzelhandelsflächen weiterhin gefragt sind. Den Löwenanteil machten mit 56% die Flächen mit weniger als 250 qm aus. Dominant waren dabei die internationalen Handelsunternehmen, die für mehr als zwei Drittel des Flächenumsatzes und 53% aller Abschlüsse sorgten. Eine Reihe internationaler Marken setzte erstmals einen Fuß in den deutschen Markt – darunter die französische Modemarke Ba&sh und das niederländische Taschen- und Schuhlabel Royal Republiq, die beide in der Hauptstadt Berlin eröffneten.
Die Big 10 konnten ihren Anteil im zweiten Quartal wieder steigern und haben so zum Halbjahr 81.500 qm, was 34,5% entspricht. Allerdings konnten nur zwei Städte ihre Bilanz im Vergleich zum Vorjahr verbessern: Primus der bisherigen Jahres ist Frankfurt am Main mit 21.100 qm. Das sind 118% mehr als im Vorjahr und liegt wieder auf dem 5-Jahres-Schnitt. Noch besser entwickelte sich Stuttgart, das 125% zulegte und nach sechs Monaten auf 15.500 qm kommt. Das liegt aber noch unter dem 5-Jahresschnitt von 16.900 qm.
Berliner Vermietungsmarkt kann die eigenen Standards derzeit nicht erreichen
Deutlich verlor hingegen Berlin mit 9.500 qm, denn im vergangenen Jahr waren es noch 23.500 qm gewesen. Der 5-Jahres-Schnitt liegt sogar bei 56.800 qm. Für die Hauptstadt ist es das niedrigste Ergebnis binnen sechs Jahren, heißt es von JLL. Hamburg (8.900 qm) und München (7.900 qm) verlieren im Jahresvergleich jeweils mehr als 40%. Dahinter folgen Köln (6.200 qm), Leipzig mit 5.500 qm, Düsseldorf mit 4.300 qm sowie Nürnberg (2.100 qm). Mit 500 qm hat Hannover abgeschlagen die rote Laterne. Das sind 92% weniger als im Sommer 2015.
Spitzenmieten: Berlins Tauentzienstraße lauert im Windschatten der Kaufingerstraße in München
Die Spitzenmieten auf den Haupteinkaufsstraßen der Big 10 zeigen sich laut JLL derweil stabil auf hohem Niveau. Die Führungsgruppe mit mehr als 300 Euro/qm/Monat führt unangefochten München mit konstant 360 Euro an, die auf der Kaufingerstraße gezahlt werden. Dahinter unterbrach die Berliner Tauentzienstraße ihre Aufholjagd und liegt konstant bei 350 Euro. Auf Jahressicht hat die Konsumstraße in der Hauptstadt allerdings 17% zugelegt. Der Abstand zur Frankfurter Zeil mit 310 Euro dadurch ist bereits deutlich.
Nur minimale Veränderungen gab es in der Gruppe der Verfolger: Dort behaupten Düsseldorfs Königsallee (290 Euro) und Hamburgs Spitalerstraße (280 Euro) ihre Positionen. Das Hauptfeld führt Kölns Schildergasse schließlich mit 255 Euro an, während Stuttgarts Königstraße bei 250 Euro liegt. Dahinter folgen Hannovers Georgstraße (200 Euro), Nürnbergs Ludwigsplatz (160 Euro) und die Petersstraße und die Grimmaische Straße in Leipzig mit 120 Euro. Auch hier gab es keine Veränderung. Allein die Spitalerstraße hat auf Jahressicht zugelegt – minimal um 2%.
Der Rückgang der Renditen hat sich derweil in fast allen Städten fortgesetzt. Nur in Düsseldorf war die Nettoanfangsrendite mit 3,75 % stabil. In allen anderen Städten gab der Spitzensatz um fünf oder zehn Basispunkte nach. Den niedrigsten Wert erreichte München mit 3,50 %, wo es um zehn Basispunkte nach unten ging. Hannover (4,15 %) und Nürnberg (4,05 %) rückten derweil näher an die 4-Prozent-Marke heran.