Das kam unerwartet. Nachdem die letzten Besucher das Messegelände im Berliner Westend verlassen hatten, versendete die Panorama Berlin noch in der Nacht eine Mitteilung. Der Inhalt: Messe- Chef Jörg Wichmann will die diversen Veranstaltungen in der Hauptstadt unter einem Dach vereinen.
Panorama, Premium, Seek, Neonyt und Co. sollen nach dem Willen von Wichmann künftig auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof stattfinden. Dabei macht der 48-Jährige zugleich klar, unter wessen Führung die neue Mega-Messe entstehen soll. So sei die Panorama der „Benchmark“ – und nach diesem hätten sich die anderen Formate zu richten. Das ist mutig. Und zugleich eine Kampfansage. Berauscht vom guten Zuspruch für die Panorama geht Jörg Wichmann nun ’all-in‘. Dabei dürfte sich die Begeisterung über den medienwirksamen Vorstoß insbesondere bei Premium-Chefin Anita Tillmann in engen Grenzen halten. Kaum vorstellbar, dass sie sich unterordnet. Seit Jahren setzt sich Tillmann engagiert und erfolgreich für ihre Messeformate und den Modestandort Berlin ein. So fällt ihre erste Reaktion denn auch eher verhalten aus. „Tempelhof ist perspektivisch der richtige Ort, um alle Formate der Premium Group zu bündeln“, stellt sie klar. Das heißt konkret: Tempelhof ist interessant, aber bitte ohne Panorama und Jörg Wichmann. Und zudem habe sie bereits „seit langem intensive Gespräche mit den Verantwortlichen der Stadt Berlin“ geführt… In den kommenden Monaten ist noch der ein oder andere verbale Schlagabtausch der beiden Messemacher zu erwarten. Im Sinne der Einkäufer wäre eine ’Zentralmesse‘ übrigens zweifellos. Zwar haben sich mittlerweile viele an das lästige Hin und Her zwischen den Locations gewöhnt. Effizienz sieht jedoch anders aus – und genau diese benötigt die Branche heute mehr denn je.
Tempelhof übt eine große Anziehungskraft auf die Mode-Welt aus – ob nun zunächst nur einzelne Veranstaltungen umziehen oder tatsächlich der ’Big Bang‘ in Form einer Zusammenlegung aller Messen gelingt. Das Gelände mit historischem Charme stand jahrelang nicht zur Verfügung, da es als Notunterkunft für Flüchtlinge genutzt wurde. Seit Ende 2018 ist der Weg für Events in Tempelhof wieder frei. So bietet sich die Chance, an die Großveranstaltungen früherer Tage anzuknüpfen. Schließlich war Tempelhof einst Schauplatz der Bread & Butter, die in ihren besten Zeiten ein beeindruckendes Fashion-Spektakel von internationalem Rang war. So groß und berechtigt die Kritik an B&B-Mastermind Karl-Heinz Müller letztlich auch war – die Magnetwirkung der Bread & Butter haben die weiteren Veranstaltungen in der Hauptstadt nie erreicht.