Die Londoner Jermyn Street ist vor allem für hochwertige Herrenausstatter, traditionsreiche Hemdenanbieter und feine Lederwaren-Stores bekannt. Bereits seit dem 17. Jahrhundert werden hier feine und schöne Dinge für distinguierte Herren angeboten. Kein Wunder, dass in der Straße eine Bronzeskulptur an den ersten Dandy Beau Brummell erinnert. Seit wenigen Monaten ist die Jermyn Street um eine Attraktion reicher: Das Traditionsunternehmen Joseph Cheaney hat hier einen neuen Flagship-Store eröffnet.
Seit 1886 steht Joseph Cheaney für typisch-britische Schuhfertigung. Lange Zeit fristete das Unternehmen aus Northampton ein Dasein als Mauerblümchen. Seit den 60er-Jahren gehörte es zum wesentlich bekannteren Hersteller Church & Co. und wurde nach dessen Übernahme ebenfalls Teil der Prada-Gruppe. Vor fünf Jahren entdeckten jedoch die beiden Cousins Jonathan und William Church – Schuhmacher in der fünften Generation und Teil der Church-Dynastie – das Potenzial der Marke und kauften Joseph Cheaney. Seit diesem Tag erlebt das Unternehmen, das bis heute alle Schuhe zu 100% in England fertigt, einen stetigen Aufstieg: Seit 2009 wurden die Umsätze verdoppelt und neue Märkte wie China, Südkorea, Russland und vor allem Japan erobert. Ein wichtiger Teil der Erfolgsgeschichte sind die mittlerweile fünf Stores in der britischen Hauptstadt.
Made in England
Für das Design des Stores zeichnet das Unternehmen Checkland Kindleysides verantwortlich. „Wir wollten uns von der Wahrnehmung lösen, die klassische britische Schuhe ausschließlich mit Attributen wie Heritage und Tradition verknüpft, sichtbar in Stores mit viel dunklem Holz und braunem Leder“, erklärt Jeff Kindleysides. „Damit sich der Store von Joseph Cheaney von den Nachbarn in der Jermyn Street abhebt, haben wir ein sehr leichtes Design entwickelt, das sich zudem auf das ’Made in England‘ fokussiert. Das ist der Grund, warum wir einen Laden gebaut haben, der aussagt: ’Wir stellen alle unsere Schuhe in England her‘.“ Der Verkaufsraum ist zweigeteilt: Während in dem vorderen Teil Elemente aus der Schuhherstellung das optische Konzept bestimmen, wurde im hinteren Bereich eine Atmosphäre wie in einem traditionellen englischen Club geschaffen.
Der Eingangsbereich wird von weiß getünchten Wänden, metallischen Warenpräsentern und Glaselementen geprägt, die an das Ambiente in der Fabrik in Northampton erinnern. Im Mittelpunkt des Raums steht ein langgezogener Tisch, auf dem unter anderem ein Modell der Cheaney-Fabrik im Verhältnis 1:100 steht. Dagegen hängen im hinteren Bereich, der vor allem der Anprobe dient, golden gerahmte Porträts von Joseph Cheaney und dessen Sohn Arthur vor einer tiefblauen Wand.
Typische Werkzeuge, Leisten und Lederproben runden die Atmosphäre gelungen ab. „Unsere Vorgabe lautete, die Essenz unser Historie in eine frische und zeitgemäße Gestaltung zu übersetzen. Checkland Kindleysides ist es gelungen, in der Jermyn Street ein echtes Statement zu setzen, das das Image unserer Marke neu definiert“, sagt William Church.