Korken ploppen, Christa Müller, Inhaberin des Schuhhauses Schmidt in Stuttgart-Degerloch, greift grinsend nach dem Mikrofon. „Ich hab‘ mich gut gehalten, oder?“, scherzt die 58-Jährige.
1957 zog die ehemalige Schuhmacherei von der Innenstadt in die Epplestraße. Seit der Gründung im Jahr 1886 ist der Betrieb durchgehend inhabergeführt – mittlerweile führt Christa Müller das Familienunternehmen bereits in vierter Generation. Am Freitagabend ist das kleine Geschäft gut gefüllt: Freunde, Familie, Nachbarn sowie Vertreter aus Wirtschaft und Politik sind gekommen, um das beeindruckende Bestehen zu feiern.
In ihrer Rede rekapituliert Christa Müller die vergangenen Jahre. Krisen hätten Spuren hinterlassen, das habe sich in der ganzen Stadt gezeigt. Im Gespräch mit schuhkurier erklärte die Inhaberin, dass sie den Laden ab 2027 allein führen wird – ihre einzige Mitarbeiterin tritt im nächsten Jahr ihren Ruhestand an. Schon heute übernimmt sie Deko, Orders und Verkauf zum Großteil allein. „Aber wir Degerlocher packen das gemeinsam an“, sagt sie mit einem optimistischen Lächeln im Gesicht.
Auch Jürgen Leinwand von der IHK Region Stuttgart merkt an, der Rückgang des Einzelhandels in Stuttgart würde sich deutlich bemerkbar machen. In der Landeshauptstadt Baden-Württembergs gebe es nur noch rund 150 Geschäfte, die ein Jubiläum von über 100 Jahren verzeichnen können. Am Südrand des Stuttgarter Talkessels sei der Zusammenhalt hingegen ausgesprochen gut, die Nachbarschaft halte zusammen und die Generationen gingen im Schuhhaus ein und aus; sie erfreuten sich an den Schuhen von Gabor, Rohde, Haflinger und Co.
Bei Live-Musik und Buffet wurde schließlich bis in die späten Abendstunden ausgiebig gefeiert. Selbst Oberbürgermeister Frank Nopper schaute vorbei und überreichte Christa Müller „die größtmögliche Weinflasche für ein großes Jubiläum.“ Ein Symbol für einen Abend voller Dankbarkeit und Zuversicht – denn solange Degerloch zusammenhält, bleiben im Schuhhaus Schmidt die Türen offen und die Beratung persönlich.