Was ist das eigentlich, eine Karriere? Wie definiert man eine erfolgreiche Karriere? Zählt hier nur das Einser-Abitur nach zwölf Jahren Schule, das anschließende Studium im Schnelldurchlauf nebst Auslandsaufenthalt, diversen Praktika und danach der steile Aufstieg in der Wirtschaft? Machen diejenigen, die länger brauchen und im Mittelfeld schwimmen, keine Karriere? Oder diejenigen, die die Schule nicht mit dem Abitur, sondern mit einem mittleren Schulabschluss beenden? Wird in unserer Gesellschaft das richtige Gefühl dafür vermittelt, was ein erfolgreicher beruflicher Werdegang ist? Setzen wir die richtigen Kriterien an? Oder haben wir einen völlig verstellten Blick dafür entwickelt, was beruflicher Erfolg bedeutet und wie wichtig es ist, Freude am täglichen Tun zu haben und auch nachhaltig zu empfinden – ganz egal, in welcher Branche und bei welcher Tätigkeit? Wird genug darauf geachtet, dass ein junger Mensch erst einmal sich selbst finden muss, bevor er seine berufliche Bestimmung definieren kann? Und berücksichtigt unser Fokus auf den maximalen Erfolg die Stillen, die Leisen, die Schüchternen?
Teresa Tombrink aus dem Münsterland steht am Anfang einer beruflichen Laufbahn, die man wohl als Karriere bezeichnen kann. Das steht jetzt schon fest – Teresa ist 22. Sie ist zwar eher zufällig im Schuhhandel gelandet und hat ein zweiwöchiges Schulpraktikum in Emsdetten absolviert. Aber sie fand dort etwas, das sie erfüllte und ihr Freude bereitete. Sie entschied gemeinsam mit dem Unternehmerehepaar Hüser, dass nach der Schule eine Ausbildung zur Verkäuferin – mit der Option, anschließend noch ein Jahr mit dem Ziel Kauffrau anzuhängen – gestartet werden sollte. Teresas Entscheidung ist nicht selbstverständlich, erst recht nicht vor dem Hintergrund der allgemeinen Wahrnehmung, was Berufe im Einzelhandel angeht. Ihre Lehrer, sagt Teresa, haben eher von einer solchen Laufbahn abgeraten. Man solle lieber einen ’Büroberuf‘ anstreben, hieß es an der Schule. Teresa ließ sich nicht beirren. Sie startete ihre Ausbildung und ist inzwischen fertige Kauffrau. Damit nicht genug, erhielt sie ein Stipendium eines Partnerschaftsprogramms des Bundestages und des US-Congress und verbrachte ein Jahr in den USA. Inzwischen ist sie wieder im Lande und wird demnächst als Trainee bei Schuh & Sport Mücke die LDT Nagold besuchen. Und das, obwohl sie, wie sie heute sagt, anfangs sehr schüchtern gewesen sei und gar nicht gewusst habe, was sie alles kann.
Wie gut, das Teresa nicht auf ihre Lehrer gehört hat. Dass sie im Schuhhandel startete und viel Freude an ihrer Arbeit entwickelte. Dass sie in Thomas und Marlies Hüser Unternehmer fand, die sie unterstützten und förderten. Geschichten wie diese zeigen eindrucksvoll, dass Schuhhandel spannend, vielfältig, bereichernd und beflügelnd sein kann. Wir sollten mehr von diesen Geschichten hören und erzählen!