Landauf, landab. In den Nachrichten, in der Werbung, auf Messen, im Freundeskreis. Ein Thema ist in diesen Tagen omnipräsent; auch in unserer Branche. Nachhaltigkeit. Dieser Begriff löst derzeit die Digitalisierung als das am Häufigsten gebrauchte Schlagwort ab. Keine Branchenveranstaltung, kein Kongress und keine Rede kam in den letzten Jahren ohne Verweis auf die digitale Transformation aus, die den Schuhhandel im vergangenen Jahrzehnt auf links gedreht hat. Ein Stück weit scheint es jedoch so, als solle mit dieser fast schon manischen Fixierung auf alles Digitale nachgeholt werden, was in den Anfangstagen des Onlinehandels versäumt wurde. Das Potenzial und die Auswirkungen insbesondere der Geschäftsmodelle von Zalando und Amazon wurden schließlich (zu) lange verkannt. Droht beim Thema Nachhaltigkeit das
gleiche Schicksal?
Nachhaltigkeit ist Zeitgeist. Die Schüler-
Demonstrationen Fridays for Future, der Hype um Greta Thunberg und die Auseinandersetzungen rund um Kohleausstieg und den Erhalt des Hambacher Forsts haben das vergangene Jahr medial geprägt. Der ’endless summer‘ 2018 hat viele Menschen hierzulande erstmals die Auswirkungen des Klimawandel hautnah spüren lassen. Nicht zuletzt der Schuhhandel gehörte zu den Leidtragenden des nicht enden wollenden Sommers.
Da Mode immer auch ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Zustände ist, nimmt das Thema auch bei Schuhen und Bekleidung zunehmend Fahrt auf. Sehr deutlich wurde dies etwa Anfang Juli in Berlin, als die Messe Neonyt, die sich ausdrücklich der nachhaltigen Mode widmet, sehr erfolgreich verlief. Das sauber positionierte Format der Messe Frankfurt zieht zunehmend auch den ’konventionellen‘ Handel an. Dennoch scheiden sich innerhalb der Branche die Geister, ob das Thema Nachhaltigkeit auch künftig ein Nischenthema bleiben oder dauerhaft auf breiter Front und für große Käuferschichten relevant sein wird. Dieser Ansatz ist jedoch grundsätzlich falsch.
Die globale Schuh- und Modeindustrie gehört zu den schlimmsten Umweltsündern. Nur die Ölindustrie ist noch
dreckiger. Vor diesem Hintergrund wäre es von einer Branche, die zu den maßgeblichen Verursachern des Klimawandels gehört, geradezu arrogant, sich nicht ausführlich mit den Folgen des eigenen Handelns auseinanderzusetzen. Und nach Alternativen zu suchen. Wer Nachhaltigkeit nur als Marketing-Gag versteht, hat die wahre Dimension des Problems Klimawandel nicht verstanden. Nicht Greenwashing ist gefordert, sondern konkrete Maßnahmen.