Ist das Glas halb leer oder halb voll? Diese Frage drängt sich auf, wenn man die gerade zurückliegende Gallery Shoes in Düsseldorf Revue passieren lässt. Das Spektrum an Einschätzungen zur Messe reichte von „erfolgreich“ und „unverzichtbar“ bis „zu wenig international“. Die Stimmung bildete von „begeistert“ bis „enttäuscht“ nahezu alle Facetten ab. Je nachdem, mit welchen Erwartungen man angereist war – ob nun als Händler oder als Aussteller – wurden diese erfüllt oder eben nicht. Damit ist die Gallery Shoes ein Indikator für die Lage in unserer Branche. Diese ist ebenso facettenreich und uneinheitlich. Während es auf Industrie- und Handelsseite Unternehmen gibt, die derzeit einen sehr guten Lauf haben und sogar „die beste Messe“ überhaupt in Düsseldorf erlebten, gab es andere, die von den drei Tagen in den Böhler Werken deutlich mehr erhofft hatten. Dieses Spektrum unter einen Hut zu bringen, ist ein unmögliches Unterfangen. So vielfältig die Handelskonzepte, die Kollektionen, die Vertriebskanäle, so vielfältig auch die Order- und Informationsveranstaltungen in unserer Branche, ebenso vielfältig sind die Meinungen und Erwartungen.
Was bedeutet das für Veranstalter? Sie haben nur die eine Möglichkeit, sich sauber zu positionieren, ein klares Konzept zu entwickeln und dieses ebenso klar zu kommunizieren. Auf dieser Klaviatur spielen die Verantwortlichen der Gallery Shoes in Düsseldorf meisterhaft. Ihnen ist es in den zurückliegenden Saisons gelungen, auch gegen Widerstände ein Messeformat aufzubauen und zu etablieren, das in seiner Form einzigartig ist. Dabei haben die Messemacher einerseits ihre Linie klar verfolgt und sich andererseits auch immer offen gezeigt, wenn es um notwendige Optimierungen und sinnvolle Anpassungen ging. Das verdient Anerkennung. Was den Service sowie die Aussteller- und Besucherbetreuung angeht, macht den Gallery Shoes-Verantwortlichen so gut wie keiner etwas vor. Das wird auch allgemein goutiert.
Dass die Frequenz auf der Messe noch deutlich ausbaufähig ist und vor allem auch die Internationalität des Publikums zu wünschen übrig lässt, steht außer Frage und ist den Verantwortlichen auch bewusst. Selbstverständlich muss jeder Aussteller Kosten und Nutzen für eine Veranstaltung abwägen. Der Nutzen darf dabei allerdings nicht nur in geschriebenen Aufträgen gemessen werden. Auch Kommunikation, Meinungs- und Erfahrungsaustausch sind „harte Währungen“. Mehr denn je.
In unserer facettenreichen Branche gibt es keine einheitliche Gemengelage. Wie denn auch? Aber es sollte ein Commitment dahingehend geben, dass eine Messe wie die Gallery Shoes eine sinnvolle Plattform für unsere Branche ist. Damit wäre die Eingangsfrage beantwortet: halb voll!