Kein Industrie-Bashing, keine Händler-Schelte: Als sich Ende November Vertreter aus Handel und Industrie auf schuhkurier-Einladung trafen, stand der konstruktive Austausch im Fokus. Alles drehte sich um grundlegende Fragen: Wie kann angesichts der vielfältigen Probleme und Aufgaben die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Industrie und Handel verbessert werden? Welche Justierung entlang der Wertschöpfungskette hilft den Marktteilnehmern in ihrem Business? Der erste Schritt auf dem Weg zur Annäherung ist das gegenseitige Verständnis.
Das ist schon allein aufgrund der heterogenen Struktur der Schuhbranche unverzichtbar. Ein Filialist mit Sortiment in konsumigen Preislagen wünscht sich angesichts steigender Kosten eine bessere Kalkulation.
Einem Komfortschuh-Fachhändler mit zwei Geschäften ist vor allem mit frei einteilbaren Festsortimenten und einer besseren Nachlieferfähigkeit geholfen. Hersteller mit Fertigungsstätten in Asien brauchen frühe Aufträge, um planen und pünktlich liefern zu können. Händler wollen möglichst spät ordern, um ihr Risiko zu minimieren. Das sind unterschiedliche Positionen, die nicht einfach so aufzulösen sind. Sich darüber auszutauschen, ist trotzdem hilfreich.
Es gibt aber auch Themen, bei denen Einigkeit herrscht: Der immer noch rudimentäre Datenaustausch ist so ein Fall. Kaum zu glauben, dass die Prozesse in der Schuhbranche immer noch nicht schneller und effizienter laufen. Da muss schnell etwas passieren. Und es gibt eine Aufgabe, die alle Marktteilnehmer lösen müssen: gemeinsam Geld verdienen in Krisenzeiten, mit weniger Schuhen und trotz zurückhaltender Kauflust.
Es lohnt, miteinander zu sprechen. Mehr noch: Es ist die einzige Chance. Wenn nicht jetzt, wann dann?