Silvia Talmon, Geschäftsführerin von The Store Designers, identifizierte zwei grundsätzliche Strategien, wie große Marken dem Wandel in der Handelslandschaft in ihrem Store Design begegnen: Standardisierung und Individualisierung.
Zu den Verfechtern kompletter Stringenz gehört allen voran Apple. Auch Esprit setzt auf einen weltweit unverwechselbaren Auftritt nach dem Vorbild des Kölner Flagship-Stores.
Andere Wege geht dagegen der Kosmetikanbieter Aesop. Produkte und Sortiment sind zwar weltweit die gleichen. „Aber die Innenräume unterscheiden sich komplett voneinander“, erläuterte Talmon. Mal ganz in Grün, mal – für die Kundinnen biete jeder Shop-Besuch an den verschiedenen Standorten eine neue Erfahrung. Die Schuhmarke Camper setzt ebenso auf Individualität. Dafür arbeitete man mit unterschiedlichen, international renommierten Innenarchitekten zusammen.
Eine dritte Gruppe versucht als „Allrounder“ beide Strategien zu verbinden. Beispiel Puma: Während im Flagship-Store in Osaka Produkte nur 10 Prozent der Fläche einnehmen und ansonsten die Marke inszeniert wird, nimmt der Produktanteil mit wachsendem Fokus auf die Flächenrentabilität immer mehr zu. Beim Shop-in-Shop-System schließlich kehren sich die Flächenverhältnisse komplett um. Das Markenlogo tritt stark in den Hintergrund, Ware dominiert. Zudem öffnet sich das Konzept in der Umsetzung standortbezogenen Themen auf. So werden im Londoner Store die roten Telefonhäuschen integriert.
Der Modekonzern H & M wiederum segmentiert mit eigenständigen Marken wie Cos, Cheap Monday oder Other Story den Markt und versucht verschiedene Zielgruppen individuell zu erreichen.
Abschließend fasste Talmon die derzeitigen Trends im Retail Design zusammen. Farbe und Materialmix spielen immer noch eine wichtige Rolle. So bauen Karl Lagerfeld oder Zara auf Schwarz/Weiß-Kontraste, Puma erzielt mit der Kombination von Beton und Holz Spannung. Marmor, Kristall und Spiegel gewinnen als Materialien an Beliebtheit. Auch das Thema Digital Signage findet sich inzwischen in differenzierteren Ausprägungen. Die futuristischen Auftritte von Nike entsprechen laut Talmon den Erwartungen. „Sehr gefreut“ habe sich Silvia Talmon daher über den Auftritt von Chasin in Amsterdam. „Es muss nicht überall flimmern.“ Auch Burberry in London gelinge es vorbildlich, ältere Zielgruppen mit den neuen Techniken anzusprechen.