Tatsächlich nahm der CDU-Chef, der von Judith Rakers schon wie „der künftige Kanzler“ begrüßt wurde, den Saal im Sturm, mit Forderungen etwa nach einer „wettbewerbsfähigeren Volkswirtschaft“ oder einem „Deutschland, das wieder das führende Land in der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa“ werden müsse. Wie? Durch „Ärmel aufkrempeln“, sagt Merz. Das Bürgergeld gehöre umgetauft und „vom Kopf auf die Füße gestellt“, für den Arbeitsmarkt seien Anreize zu setzen. „Auch über Arbeitszeitgesetze müssen wir reden: Nur 40 Stunden pro Woche arbeiten – und alles darüber sind Überstunden? Das ist Unfug“, das sagt Merz tatsächlich. In der Energiepolitik soll die Festlegung auf Wind, Sonne und E-Mobilität der Technologieoffenheit weichen. Das Steuerrecht werde er vereinfachen („Sie alle erinnern sich an meinen Bierdeckel“). Abschließend hat Alexander von Preen noch eine Bitte Hubertus Heil betreffend, dessen Gastgeber er am Folgetag sein wird: Der Arbeitsminister sei ja sehr erfolgreich, da werde er womöglich auch in der nächsten Regierung auf seinem Posten bleiben, fürchtet von Preen, aufgrund der gestiegenen Sozialkosten „tun wir Unternehmer uns aber schwer mit ihm“ – ob Merz dazu wohl etwas sagen kann? Kann er: „Das Beste wäre, er wäre nicht mehr im Amt“. Dafür will Merz allein schon dadurch sorgen, dass er das Arbeitsministerium künftig dem Wirtschaftsministerium zuordnet. Dass am Vorabend auf offener Bühne schon über seine berufliche Zukunft beschieden wurde, – soviel übrigens zu Stilfragen – ahnt Arbeitsminister Hubertus Heil freilich nicht, als er anderntags das Podium betritt. Er beschwört die Handlungsfähigkeit der Regierung („Wir sind in der Lage, die Entscheidungen zu treffen, die wichtig sind“) und beschreibt den aktuell laufenden Erneuerungsprozess der Wirtschaft, mit Rahmenbedingungen, die von Auseinandersetzungen durch unfairen Wettbewerb und „wahnsinnig viel Protektionismus“ geprägt sind. Für die Zukunft rät er, „nicht in Handelskriege zu verfallen“ und den Ausbau erneuerbarer Energien und deren Bezahlbarkeit zu fördern. Arbeitsplätze seien vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und des bevorstehenden Rückzugs der Boomer-Generation sicher. Allerdings „können wir auf die Älteren, die gesund sind und länger arbeiten können, nicht verzichten“, sagt Heil, weshalb er für flexible Übergänge und finanziellen Anreiz plädiert. An Gymnasien müsse verstärkt auch für Ausbildungsberufe geworben werden. Darüber hinaus müsse „in vielen Bereichen KI eingesetzt“, qualifizierte Einwanderung ermöglicht und bürokratische Hürden beseitigt werden. Schließlich warnt er in Bezug auf die Gesellschaft insgesamt noch vor „Unversöhnlichkeit und Kompromisslosigkeit, das ist das Schlimmste, was man unserer Volkswirtschaft und Demokratie antun kann“. Dem Handel dankt er für die Fähigkeit, „in schwierigen Zeiten immer eine Lösung gefunden zu haben“. Nun aber seien erst mal Wahlen. Und „wer glaubt, die Wahl ist schon gelaufen“, sagt Hubertus Heil, „der irrt sich.“