Die Umsätze im stationären Lederwarenhandel liegen aktuell wieder auf Vor-Corona-Niveau und teilweise sogar wieder leicht darüber. Das berichtete Axel Augustin, Geschäftsführer des BTE Handelsverband Textil Schuhe Lederwaren auf der ILM in Offenbach. Aufgrund der im Frühjahr 2022 noch geltenden Corona-Einschränkungen sei das Plus in der ersten Jahreshälfte 2023 „vorprogrammiert“ gewesen, so Augustin.
Besonders nachgefragt sei Reisegepäck. Weitgehend stabil laufe das Geschäft mit Schul- und Freizeitartikeln sowie Kleinlederwaren. Sorgen bereiteten dagegen oft die Umsätze mit Handtaschen. Eine Ausnahme bilde der Luxusmarkt, der sich trotz Preissteigerungen einer stabilen oder sogar steigenden Nachfrage erfreut.
Der stationäre Lederwarenfachhandel habe in den vergangenen Monaten wieder Marktanteile vom Onlinehandel zurückerobert und dürfte nach BTE-Schätzungen wieder der wichtigste Vertriebsweg für Handtaschen, Koffer und Kleinlederwaren sein. Dagegen sei der Onlinehandel, der in 2020/2021 zumindest zeitweise über die Hälfte der Umsätze auf sich vereinigen konnte, auf den zweiten Platz abgerutscht.
Den im Vergleich zu 2019 fast unveränderten Umsätzen stünden zum Teil hohe Kostensteigerungen gegenüber bei Energie, Mieten und Personal. Was seine Preispolitik angeht, stecke der Handel damit in „einem Dilemma“, so Augustin weiter. „Die Kunden haben schließlich auch nicht mehr Geld.“ Wer ganz wenig verdiene, habe den Konsum komplett eingestellt. Und wer vorher in den mittleren Preislagen kaufte, suche jetzt darunter nach Angeboten. Der Luxusmarkt dagegen sei stabil und teilweise sogar expansiv.
Probleme bereiteten zudem die ausufernde Bürokratie, der Fachkräftemangel und zum Teil die nachlassende Attraktivität des eigenen Standortes und die nicht geregelte Unternehmensnachfolge. Als Folge sinkt die Zahl der Unternehmen im Lederwarenhandel seit Jahren kontinuierlich und lag gemäß der letzten Umsatzsteuerstatistik von 2021 bei insgesamt noch 964 mit einem Netto-Umsatz von knapp 1,1 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 gab es noch 1.201 Unternehmen. Aktuell schätzt Augustin die Anzahl der Geschäfte auf rund 900. Point of Sales für Lederwaren gebe es allerdings deutlich mehr, erläuterte Augustin und verwies auf die Modehäuser, in deren Sortimenten Lederwaren „einen wichtigen Baustein“ darstellten.
Nach BTE-Schätzungen lag das Marktvolumen für Lederwaren im Jahr 2022 bei rund 2,5 Milliarden Euro. Diese Zahl umfasst alle Vertriebswege.