Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LKSG), das bedeutet: Verantwortung zu übernehmen über die verschiedenen Stationen entlang der Lieferkette. Das betrifft nicht nur die strikte Einhaltung von moralischen und ökonomischen Vorgaben, sondern auch die Aufklärung des betroffenen Personals darüber. Seien es Sicherheitsschulungen oder Trainings für das korrekte Verhalten in Notsituationen: Das Personal in den Fertigungshallen muss geschult werden. „Während der Kommunikation mit den Lieferanten stelle ich ihnen gerne die Frage, wie es denn um die Trainings und Schulungen bei ihnen steht“, erzählt Sonja Westphal, Gründerin von Sustify. Dort setzt sie sich vor allem dafür ein, das „Lieferkettenmanagement zu revolutionieren.“ Auf ihre Frage entgegneten die meisten Unternehmen mit „Ja, Schulungen haben wir natürlich abgedeckt.“ Doch bei der Nachfrage, wer denn geschult werde und welche Nachweise es gebe, herrscht Unsicherheit. Oftmals sei es nur das Management, das unterrichtet und mit einfachen Videos zum LKSG versorgt wird. Doch die Belegschaft wird häufig vergessen. Darum plädiert Westphal dafür, die richtigen Schulungen auch unter die richtigen Leute zu bringen. „Richtig“ heißt dabei, auch die relevanten Themen in effektiven Formaten zu übermitteln. Dabei umfasst Westphal vor allem das Thema Sozialstandards. Diese seien schließlich zwischen den Unternehmen vergleichbar und länder- und teilweise auch branchenunabhängig. So kann die Belegschaft weltweit zu Themen wie Überstunden, nicht eingehaltenen Arbeitszeiten, aber auch den Sicherheitsanweisungen im Werk angeleitet werden.
Klare Wege
Vor allem im Format lebe man im Westen allerdings in einer Blase. Statt sich auf die wesentlichen Lerninhalte zu fokussieren, werde mit Leveln und Stufen gerechnet, Themen wie Empowerment und Selbstständigkeit stünden den Mitarbeitenden in beispielsweise Indien oder Bangladesch eher im Weg. „Dort werden klare Lernwege gebraucht mit Inhalten, die für sie auch nachvollziehbar sind“, so Westphal weiter. „Es geht nicht um akademisches Lernen und auch nicht um irgendwelche Texte, sondern es geht um die Dinge, die mich in meinem täglichen Alltag betreffen.“ Und da seien Lernerfolge, die in Prozentzahlen oder Noten festgehalten sind, ebenfalls von wenig Nutzen. „Lernen kann man wissenschaftlich nicht messen“, so Westphal. Und Personal, das bestimmte Punktzahlen nicht erreicht, würde sich höchstens dabei schlecht fühlen. Schließlich stellte Westphal noch die Frage in den Raum, ob sich solche Schulungen denn tatsächlich lohnen und ob solche Maßnahmen angemessen seien. „Ich sage es mal so: Wenn hier bei uns ein Feuerlöscher im Raum steht, fragt auch niemand danach, ob man den wirklich braucht und ob sich das anhand von Statistiken lohnt.“