„Kopf, Hals, Brust, Arme, Bauch, Hüften, Beine…“ Das indische Mädchen, gerade sieben Jahre alt, kann alle Körperteile mühelos aufzählen – auf Englisch, wohlgemerkt. Die Kleine ist eine von insgesamt 165 Schülerinnen und Schülern, die die Arumbugal Nursery & Primary School besuchen.
Die Schule, deren Name übersetzt ’aufgehende Knopse‘ bedeutet, wurde im Sommer 2016 auf Betreiben des Schuhherstellers Lloyd Shoes errichtet, der eine Produktionsstätte nur wenige Kilometer entfernt unterhält. Man beschäftige viele Frauen dort, erklärt Lloyd-Geschäftsführer Poul Haugaard Petersen. Dies habe zu der Überlegung geführt, zunächst eine Kinderbetreuung in der Fabrik selbst einzurichten, um die berufstätigen Mütter zu unterstützen.
Daraus sei schließlich die Idee entstanden, eine gemeinnützige Schule zu bauen. Treiber des Projekts war der langjährige Lloyd-Geschäftsführer Thomas Wahle. Er machte sich für den Plan stark und setzte ihn schließlich gemeinsam mit dem Lloyd-Team auch um.
Solider Abschluss und Berufschancen
Rund 40% der Mädchen und Jungen im Kindergarten- und Grundschulalter sind Lloyd-Mitarbeiterkinder. Sie haben in der ländlichen Region mit wenig Infrastruktur die Möglichkeit, in einem modernen Schulgebäude mit klimatisierten Räumen und sauberen sanitären Anlagen nach einem zeitgemäßen pädagogischen Konzept und in englischer Sprache zu lernen, sie erhalten Schuluniformen und Essen – und die Aussicht auf einen soliden Beruf nach Abschluss ihrer Schullaufbahn.
„Bei Lloyd waren wir von Anfang an Feuer und Flamme für die Idee“, berichtet Nadine Benech, Assistentin der Lloyd-Geschäftsführung in Sulingen und verantwortlich für das Schulprojekt, das von der Lloyd Kinderhilfe direkt finanziert wird und die auch andere soziale Programme und Aktionen an allen drei Produktionsstandorten unterstützt.
Um die Kinder über einen möglichst langen Zeitraum zu begleiten, soll die Arumbugal Nursery & Primary School jedes Jahr um eine Klasse erweitert werden. Damit werden auch weiterführende Klassen für ältere Kinder aufgebaut. „Es ist sehr schön zu sehen, wie sich die Kinder weiterentwickeln“, so Nadine Benech.
Regelmäßiger Besuch aus Deutschland
Regelmäßig statten die Teams von Lloyd der Schule einen Besuch ab. Neben Poul Haugaard Petersen schaut auch Ernst Scholz, CEO von Lloyd India, gern vorbei, ebenso Antje Meyer, Director von Legero United Shoes India, die derzeit den Aufbau einer Fabrik in der Nachbarschaft der Lloyd-Produktion betreut. Und beim jüngsten Besuch Anfang März war auch schuhkurier dabei.
Die Schulleiterin Malathy Kumar, eine Pädagogin, die sich bei ihrer Arbeit am Montessori-Konzept orientiert, hat gemeinsam mit ihrem Team von Lehrerinnen einiges vorbereitet. Die mehr als 30 Grad Außentemperatur stören die Kinder in ihren rot-blauen Karo-Uniformen wenig. Sie sind vor allem aufgeregt angesichts des Besuchs aus Europa. In jeder Klasse werden Lieder gesungen, Gedichte aufgesagt oder Texte vorgetragen. „Schau, was ich geschrieben habe“, zeigt der kleine Junge aus der 2. Klasse stolz sein Arbeitsheft.