Die Textilmode wird im kommenden Sommer vielfach ruhigere, natürliche Farben in den Fokus rücken. Da kommt dem Schuh als Akzentgeber eine besondere Rolle zu.
Alexander Brinkmann: Diesen Schluss kann man ziehen, da in der jüngeren Zielgruppe vermehrt auch Schwarz getragen wird. Dazu passt ein knalliger Sneaker, der den Look belebt und Farbakzente setzen kann.
Wie stark richtet sich das Design der Schuhkollektionen nach den Textiltrends von Pepe Jeans?
Elena Heinemann: Wir arbeiten mit der gleichen Farbpalette, die Richtung der Kollektionen ist von Anfang an eng abgestimmt. Aber es muss nicht zwingend so sein, dass 100% unserer Produkt-Range mit der von Apparel zusammenspielen. Wir haben ja auch andere Distributionskanäle als die Mode.
Besteht die Schuhkollektion überwiegend aus Sneakern?
Elena Heinemann: 60% der Kollektion sind Sneaker, 40% andere Styles. Dieses Segment bauen wir weiter aus.
Alexander Brinkmann: Insbesondere in Deutschland und in der DACH-Region werden wir als Sneakerbrand wahrgenommen. Daneben haben wir aber auch „Casual“-Modelle wie Espadrilles, Sandalen oder im Winter Stiefeletten im Sortiment. Hier gibt es natürlich auch regionale Unterschiede. Unser Hauptsitz ist in Spanien. Da ist die Kundin allein schon durch die Witterungsverhältnisse deutlich offener für das Sandalen- oder Espadrille Thema. In Deutschland gibt es längere Übergangsphasen, das begünstigt die Nachfrage nach Sneakern.
Wie viele Styles gehören zur neuen Kollektion?
Elena Heinemann: Die Kollektion ist mit über 400 Optionen sehr umfangreich. Da spielt auch wieder unser britisches Heritage eine Rolle. Neben Sneakern geht es dabei auch um Themen wie den Loafer zum Minirock oder den Ballerina zum Anzug. Allerdings zeigen uns die aktuellen Abverkäufe, dass Sneaker nach wie vor das zentrale Thema im Handel sind.
Welche Rolle spielt für Sie der deutsche Markt?
Alexander Brinkmann: Auch wenn die Stimmung in Deutschland nicht so gut ist, sehen wir in diesem Markt viel Potenzial. Wir glauben, dass wir mit unseren Farbgestaltungen und Materialmixes ein bisschen frischen Wind hineinbringen können. Es geht darum, auch mal anders zu sein und der Kundin und dem Kunden mit einem mutigeren Bild am POS einen Kaufanreiz zu bieten. Sicher steht der deutsche Markt unter Druck. Hier hat es deutliche Verschiebungen auf Händler- und Herstellerseite gegeben. Einige große Händler sind aus dem Markt verschwunden, kleinere und mittlere rücken mehr in den Fokus. Und genau darin sehen wir ein Potenzial, das wir nutzen wollen.
Die Verbraucher sind mutig und interessiert an neuen Farbkombinationen. Gilt das auch für den Handel?
Alexander Brinkmann: Viele Händler sind aufgrund der Veränderungen im Markt verunsichert. Hier ist es wichtig, die Einkäufer zu überzeugen, auch mal etwas Neues auszuprobieren. Wir bekommen von unseren Bestandshändlern gespiegelt, dass mutige und neue Farbkombinationen, gepaart mit Basic-Styles, gut funktionieren. Hierbei spielt allerdings auch ein gutes Preis-Leistungsverhältnis eine wichtige Rolle.
In der Branche wird die Frage diskutiert, ob Schuhe nicht generell teurer sein müssten – bzw. der Handel nicht mehr Marge erhalten müsste, um seine steigenden Kosten zu decken.
Elena Heinemann: Unsere Strategie ist ganz klar: Wir haben gleiche Preise bei gleicher Qualität. Wir möchten den allgemeinen Preisdruck, den auch wir spüren, nicht an unsere Konsumenten weitergeben. Das hat uns in den letzten Saisons sicher geholfen und an der Strategie halten wir fest.
Sind Mindestmengen erforderlich und unterstützen Sie Ihre Kunden im Handel unter anderem durch Marketingmaterial?
Elena Heinemann: Bei der Order orientieren wir uns an der Faustformel 100 Paar mit mindestens sechs SKUs. Für jeden Händler dürfte nachvollziehbar sein, dass wir eine gewisse Sichtbarkeit auf der Fläche erreichen wollen, um den Konsumenten ein schönes Bild zu vermitteln.
Alexander Brinkmann: Unsere Kunden im Handel unterstützen wir natürlich mit Material für den PoS, das ist ja das kleine Einmaleins. Darüber hinaus sind wir gerne bereit, auf die individuellen Bedürfnisse des Händlers einzugehen, etwa mit Onlinebannern, Anzeigen im Händlermagazin oder im Bereich der Schaufensterumsetzung.
Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit für Pepe Jeans?
Elena Heinemann: Es ist ein wichtiges Segment, das wir weiter ausbauen wollen. Momentan sind knapp 30% unserer Kollektion unter nachhaltigen Aspekten hergestellt, also mit recycelten oder nachhaltigen Materialien. Wir haben ein Nachhaltigkeitsprogramm mit dem Namen Pepe Future eingerichtet. Im Footwear-Bereich gehören alle Produkte, die zu über 70% mit nachhaltigen Materialien gefertigt wird, in dieses Programm. Auch hier ist es unser Ansatz, Preissteigerungen, die sich aus nachhaltigen Materialien ergeben, nicht an unsere Kunden weiterzugeben. Wir arbeiten mit der Leather Working Group, Recycled Leathers und BCI zusammen. Wir nutzen Fertigungstechniken, die den Nachhaltigkeitsansatz optimieren. Wir tun viel und engagieren uns. Abgesehen davon ist es aber quasi unmöglich, 100% nachhaltig zu sein.