Wie bewerten Sie den Sneaker-Markt gerade?
Christopher Blumenthal: Wir haben von 2017 bis 2022 ein explosionsartiges Wachstum gesehen. Jeder Schuh, der ansatzweise beliebt ist, war sofort ausverkauft und ist im Preis deutlich hochgegangen. Jetzt ist die Sneaker-Blase ein bisschen geplatzt in dem Sinne, dass die Nachfrage im Mainstream wieder zurückgegangen ist. Gerade der Marktführer Nike hat sich etwas zu sehr auf den gleichen Modellen ausgeruht und das sorgt allgemein dafür, dass das generelle Interesse nach unten gegangen. Es hat ein wenig die Innovation gefehlt und der Markt ist von Varianten der gleichen Modelle satt. Nächstes Jahr könnte es noch schwierig werden und 2026 könnte wieder der Markt wieder an Schwung bekommen. Schließlich haben Nike und Adidas jetzt viel investiert, um wieder Gas zu geben.
Um auch in den kommenden Jahren wieder Bewegung in den Sneaker-Markt zu bringen, investieren viele Unternehmen mehr in die Marke.
Auf der Sneaker-Messe Meetnbuy im November war der Tenor, dass zum ersten Mal auch der Sneaker-Markt unter einer wirtschaftlich schwierigen Lage leidet. Merken Sie das auch?
Das kann ich zu 100% bestätigen. Die Nachfrage ist zurückgegangen und viele denken sich, dass fünf oder zehn Sneaker-Modelle auch schon reichen, wollen vielleicht abwarten in der allgemeinen Unsicherheit. Ich würde aber nicht von einer Krise reden, wir waren die letzten Jahre auch alle extrem erfolgsverwöhnt. Denn wenn es ein gutes Modell gibt, ist es nach wie vor schnell ausverkauft. Und wenn der Rapper Travis Scott einen Jordan rausbringt, stehen immer noch 100 Leute an. Da ist der Demand gleichgeblieben. Aber darunter verteilt sie sich stärker und der Mainstream trägt teilweise wieder andere Schuhe.