Der deutsche Schuhmarkt hat 2024 zwar einen leichten Rückgang verzeichnet: Mit einem Gesamtumsatz von 11,62 Mrd. Euro lagen die Erlöse um 0,8 % unter dem Vorjahr. Inflationsbereinigt fällt das Minus noch stärker aus. Hauptleidtragender war der stationäre Fachhandel mit einem Umsatzrückgang von 1,5 %, während der Onlinehandel ein leichtes Plus von 0,7 % verbuchen konnte. Trotz der schwächelnden Gesamtentwicklung behaupten sich einzelne Segmente jedoch sehr gut: Sneaker sind mit Abstand das beliebteste Schuhmodell in Deutschland, gefolgt von Sportschuhen, die seit Jahren überdurchschnittlich wachsen. Klassische Businessschuhe verlieren dagegen an Relevanz.
Mehr als die Hälfte der Deutschen (54,6 %) kauft mehrmals im Jahr neue Schuhe. Frauen besitzen im Schnitt 17 Paar und kaufen etwa sechs Paar jährlich, Männer kommen durchschnittlich auf acht Paar und zwei Käufe im Jahr. 48 % der Frauen, aber nur 22 % der Männer besitzen mehr als zehn Paar Schuhe. Die jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben liegen bei etwa 350 Euro. Die Mehrheit bevorzugt preisgünstige Modelle: Rund 50 % kaufen am liebsten Schuhe bis maximal 60 Euro, insgesamt 77,5 % geben pro Paar nicht mehr als 100 Euro aus. Premiumkäufe über 100 Euro sind mit 22,5 % die Ausnahme – und hier vor allem bei Winterstiefeln und Sportschuhen verbreitet, während Hausschuhe fast ausschließlich im Niedrigpreissegment verkauft werden. Das Einkommen beeinflusst die Kaufbereitschaft stark: Besserverdiener investieren eher in teurere Modelle, während Geringverdiener zu günstigen Varianten greifen.
Der Schuhkauf ist für viele Verbraucher jedoch weit mehr als eine rein rationale Entscheidung. Nahezu jede zweite Anschaffung erfolgt spontan – oft ausgelöst durch ein besonderes Angebot oder einfach aus Lust am Shoppen. Preisaktionen und Sonderrabatte sind ein zentraler Kaufanreiz. 45 % der Konsumenten achten gezielt auf reduzierte Ware, 47 % shoppen bewusst zu Sale-Events wie dem Black Friday. Bei jüngeren Käufern zwischen 18 und 29 Jahren warten sogar 67 % auf solche Gelegenheiten. Etwa ein Drittel aller Schuhkäufe findet mittlerweile online statt – Social Media spielt dabei eine wachsende Rolle: 57 % der 16- bis 39-Jährigen haben bereits ein Produkt über eine Instagram-Anzeige erworben. Nachhaltigkeit entwickelt sich ebenfalls zu einem wichtigen Faktor: Zwei Drittel der Verbraucher legen Wert auf ressourcenschonende und regionale Produktion, aber nur 43 % sind bereit, dafür einen Aufpreis zu zahlen.
International steht der Markt deutlich besser da: Weltweit wuchs der Umsatz 2024 um 3,6 % auf 412,9 Mrd. US-Dollar (375,8 Mrd. Euro). Treiber sind der boomende E-Commerce, der Athleisure-Trend und Investitionen großer Marken in nachhaltige Materialien. Für Deutschland erwarten Experten bis 2028 ein moderates Wachstum. Besonders im stationären Handel könnte ein Nachholeffekt einsetzen, gleichzeitig wird der Onlinehandel voraussichtlich weiter Marktanteile gewinnen.