Ich war ehrlich überrascht, wie gut besucht die Messen in diesem Sommer bislang waren. Bei der Barefoot in Offenbach habe ich mir das noch mit dem Novelty-Faktor und dem Wachstumsmarkt Barfußschuhe erklärt. Doch auch in Heilbronn und Mainhausen war der Tenor eindeutig: Die Zahlen im Markt sind schlecht, aber die Messen gut besucht und die Stimmung überwiegend positiv. In den vergangenen Jahren gab es genug Messen, auf denen fast nichts los war. Auf denen die Stimmung mies war und sich die wenigen anwesenden Händlerinnen und Händler angesichts des schlechten Geschäfts, wenn überhaupt, die Stimmung getrübt haben. Dieses Mal scheint das anders zu sein.
Woran liegt das? Mehrere Aussteller vermuten, dass die Händler gerade jetzt genau wissen wollen, was sie ordern sollen und sich deswegen vor Ort ein Bild der Kollektion machen wollen. Es gebe viel Interesse daran, die neuen Produkte und die Kalkulationen der Unternehmen zu analysieren. Patrick Abend (Tamaris) fasste es auf der SABU-Messe gut zusammen: „Es wird viel und gezielt nach Neuheiten gefragt. Die vergangenen Veranstaltungen waren sehr gut besucht, was uns gezeigt hat, dass das Interesse da ist.“
Der lange herbeigewünschte Kulturwandel zu mehr Austausch scheint, ohne großes Trara, tatsächlich Einzug in die Messehallen gehalten zu haben. Gerade weil es schlecht läuft, werden Gespräche und Gelegenheiten für gute Stimmung gesucht. Nicht aus Zweckoptimismus, sondern weil es hilft, die beste Lösung zu finden. Das unterstreicht zum einen, warum Messen auch heute noch eine wichtige Rolle für die Branche haben können. Zum anderen ist es der wesentlich bessere und konstruktivere Umgang mit den Problemen.