„In einem Schaufenster der Fußgängerzone von Zeulenroda fand ich die Ansage ’Ab hier bitte lächeln‘“, so Dr. Nico Rose, der sich als „Sinnput-Geber“ und freischaffender Autor aus Hamm vorstellte. „Da fragt man sich zwar ’Will ich mir etwas vorschreiben lassen?‘. Aber letztlich lächelt man doch.“ Und noch ein Spruch sei zitiert – wie immer, so Rose, wenn man die Quelle nicht genau kennt, als chinesische Weisheit eingeordnet – „Wer nicht lächeln kann, soll kein Geschäft eröffnen“.
Auch Trauer muss sein
Es irrte allerdings, wer in diesem Symposiums-Beitrag eine Dreiviertelstunde Humor erwartet hatte, denn Rose sprach zuerst einmal über negative Emotionen, „…denn alle Emotionen sind im Alltag des Menschen für etwas gut.“ Während aber zum Beispiel Trauer beim Tod eines nahestehenden Menschen als Ausnahmezustand akzeptiert werde, würden die vielen kleinen und großen Verluste im Berufsleben als selbstverständlich angesehen. „Es wird viel von Transformation gesprochen und professionelles Change-Management organisiert, aber für die Menschen bleibt die Vergangenheit im Herzen. Ich denke da an eine Kollegin, bei deren Weggang in ein anderes Unternehmen ich hemmungslos geheult habe, weil ich in meinem Arbeitsumfeld ohne sie weiterleben musste.“ Fast immer bewerten Menschen Verluste emotionaler als Gewinne. Auch eine Hassliebe ist eine Liebe und Menschen verbinden sich mit allem, mit dem sie Zeit verbringen. Wenn sie dann keine Gelegenheit zum Abschied vom Alten haben – selbst wenn es das fehleranfällige alte Betriebssystem war – dann entwickeln sie bewusst oder unbewusst Widerstand. Und der reduziert die Kraft, die für den Neustart unbedingt nötig wäre. Bekanntlich, so der Referent, braucht eine Rakete die meiste Startenergie für die ersten beiden Millimeter.
Rituale strukturieren die Zeit
Was also tun, wenn Veränderungen anstehen? Rose plädierte leidenschaftlich für das bewusst gestaltete Verabschieden von Bisherigem, plädierte für Rituale, die solche Abschiede als regelmäßigen Normalfall interpretieren. „Solche Rituale teilen die Zeit in ein Vorher und Nachher.“ Mit einigen Beispielen veranschaulichte er, was mit derartigen Ritualen gemeint ist: Eine Eiscremefirma in den USA hat einen Sortenfriedhof, dessen Grabsteine an alle nicht mehr produzierten Kreationen erinnern, in die die Mitarbeitenden einst ihre Energie gesteckt hatten. Oder die toughe Managerin in einer großen Firma, die jedes Jahr im Frühling gemeinsam mit den Mitarbeitenden ausgemusterte Konzepte zu Papierschiffchen faltete und dem Fluss anvertraute. „So geht wertschätzender Umgang mit den Leidenschaften der Menschen.“
Dann aber kam Rose doch noch auf die positiven Gefühle zu sprechen. „Jeder kann spontan beantworten, wozu Trauer und Wut nötig sind. Da bekommen Sie viele Antworten von Vorsicht bis Aktivierung. Und, ehrlich gesagt, verbreiten sich die schlechten News auch im Flurfunk schneller als die guten. Also fragen Sie mal nach dem Sinn des Glücklichseins. Da werden die Antworten spärlicher.“