Sogar der ’Spiegel‘ hat ein Auge auf die Modebranche geworfen. Die Wirtschaftsredaktion des Hamburger Nachrichtenmagazins thematisierte vergangene Woche unter Druck stehende Unternehmen wie Gerry Weber, Esprit und Tom Tailor. Alt geworden seien die einstigen Flaggschiffe des deutschen Fashion Business. Sprichwörtlich alt geworden, gemeinsam mit ihren Kunden. Zu lange habe man nur auf die Stammkundschaft gesetzt. Heute seien die Konzepte verwässert und unmodern, ebenso wie die Kleidungsstücke der Marken. Zugleich habe man sehenden Auges die Entwicklung im Onlinehandel auf sich zu kommen lassen und keine Antworten darauf gefunden. Sei vielmehr einfach weiter gewachsen und habe vor allem expandiert, als gäbe es kein Morgen. Aber als dieses dann doch graute und den Managern der Angstschweiß auf die Stirn trat, war es (fast) zu spät. Mietverträge mit großzügigen Laufzeiten hängen nun wie Blei an den Firmen. An manchen Standorten wird buchstäblich Geld verbrannt: hohe Mieten auf der einen Seite, kaum Frequenz auf der anderen. Zugleich gibt es, so der ’Spiegel‘, seit Jahren zu wenig Investments in Digitalisierung und Modernisierung, dazu veraltete und komplizierte IT-Strukturen, viel zu viele ’Sonderlocken‘, einen zu großen Personalbestand und alles andere als ’schlanke Strukturen‘.
Es fehlt an vielem: Konzepten, Ideen, Dynamik, Gestaltungswillen. Das Nachrichtenmagazin zitiert einen Branchenkenner, der davon ausgeht, „dass wir manche Marken Ende 2019 nicht mehr sehen werden.“
Er ist davon überzeugt, dass viele Marken im Laufe der Jahre an Begehrlichkeit verloren haben. Was man an jeder Ecke bekomme, werde nun einmal nicht als exklusiv wahrgenommen.
Was der ’Spiegel‘ da schreibt, ist eine schonungslose Analyse, der emotionslose Blick auf eine Branche, in der viele Unternehmen sich jahrzehntelang als nahezu unantastbar betrachtet haben. Das betrifft wohl die im Artikel aufgeführten Firmen, aber auch viele weitere, internationale Player. Schließlich hat auch der langjährige Branchenprimus aus Schweden inzwischen lernen müssen, dass einfach nur Fast Fashion, das ’Raushauen‘ von Kleidung, dann doch zu wenig ist.
Im Modebereich wachsen die Bäume nicht (mehr) in den Himmel. Das gilt auch für unsere deutlich kleinere Sparte, die Schuhbranche.
Setzen Sie doch einmal die Brille des Verbrauchers auf. Nehmen wir an, es kommt zu dem Szenario, das der ’Spiegel‘-Experte erwartet: Marken verschwinden ganz vom Markt. Hand aufs Herz: Welche würden Sie wirklich vermissen? Was würde Ihnen tatsächlich fehlen? Soviel zum Thema Begehrlichkeit.