„Friends of Retail“
Das nun kleinere Team sieht den Start in die neue Saison auch als Start in eine neue Ära. Nach Monaten, in denen andere Themen im Vordergrund standen, wolle er sich nun wieder mit Schuhen und den Kunden befassen, sagt Renner. „Wir sind alle viel mehr zusammengerückt, nicht nur räumlich, sondern auch im Miteinander. Das hat uns beflügelt.“ Am Standort in Pasching sind Design, Entwicklung, Vertrieb, Marketing, Sourcing und Logistik konzentriert.
Punkten will Richter künftig nicht nur mit zeitgemäßen und qualitativ guten Schuhen, sondern auch mit Services für den Handel. Durch die bereits langjährige Zusammenarbeit mit den vier Produktionsbetrieben könne Richter Qualität und Lieferpünktlichkeit sicherstellen. Darüber hinaus seien Leistungen wie die individuelle Warenauszeichnung möglich. Auch bietet Richter an, Warenbestände in Echtzeit abzubilden und eine Anbindung über das Tool Elvis ist angedacht, um so die schnelle Nachlieferung zu ermöglichen. Ebenfalls stellt das Unternehmen Artikelstammdaten und umfangreiches Bildmaterial der Kollektionen bereit. Dafür wurde in eine moderne Fotobox investiert. Auch Schulungen und Informationsmaterialien zu den Produkten will Richter verstärkt seinen Kunden im Handel anbieten. Das alles steht unter einem klaren Motto: „Wir sind Friends of Retail“, betont Renner. Auch bei der neuen Wissenswelt von ANWR und SABU, die im August gelauncht wird, werde sich Richter beteiligen.
Größere Kollektion
Die Kollektion für F/S 2025 umfasst rund 350 Varianten und ist damit etwas größer als die Modellauswahl vergangener Saisons. „Wir bieten bewusst mehr Auswahl und Vielfalt. Mit neuen Materialien und Farben kann man auch am Point of Sale ein schönes Bild bauen“, erklärt Renner. Das WMS-System bleibt aus seiner Sicht ein wichtiger Orientierungspunkt bei der Entwicklung. Richter war jahrzehntelang Anbieter von WMS-Schuhen, ist nun aber nicht mehr offiziell Mitglied des Kreises. Das ist der Sanierung geschuldet, zugleich aber auch ein Türöffner für neue Styles. „Bei sehr modischen Mädchenschuhen wären wir möglicherweise etwas eingeschränkt, würden wir mit WMS arbeiten“, meint Josef Renner. Auch dem Barfußtrend kommt Richter nach; für die neue Saison wurde eine Gruppe mit neuer Sohle entwickelt. „Wir waren in diesem Bereich früher eher traditionell. Jetzt sind unsere Barfußschuhe bunter, flotter und modischer. Das hat dem Handel am Gardasee gut gefallen.“
Ihm sei bewusst, dass Barfußschuhe polarisieren. Gleichwohl sehe man, dass Verbraucherinnen und Verbraucher im Internet nach dieser Produktkategorie suchen. „Das ist eine Chance für die Händler, gerade wenn es eine Verknüpfung zum stationären Geschäft gibt“, ist Renner überzeugt. Nun soll es also für Richter wieder aufwärts gehen. Das Umsatzminus von 20%, das der Schuhhersteller im Zuge der Sanierung hinnehmen musste, soll den absoluten Tiefpunkt markieren. Jetzt geht Renner aktiv in die Kommunikation mit bestehenden, aber auch mit potenziell neuen Kunden. „Unsere große Chance sind gerade die Händler, die noch nicht mit uns zusammenarbeiten“, betont der Geschäftsführer. Auf sich aufmerksam machen will Richter unter anderem damit, dass etwa ein Drittel der Kollektion mit einer 2,4er-Kalkulation (statt wie bisher 2,3) angeboten wird. Dazu hat das Unternehmen gerade eine Aussendung an den Handel verschickt. Ein Ausbau des D2C-Business ist laut Renner nicht Teil der neuen Richter-Strategie: „Wir haben unseren Onlineshop vor einigen Monaten bewusst gestoppt. Im August werden wir ihn neu launchen, aber mit dem Schwerpunkt auf Produktpräsentation. Zudem legen wir Wert auf eine Verknüpfung zu unseren Fachhändlern. Es wird im Onlineshop keine Sale-Aktionen geben. Er dient lediglich als Showroom. Unser Fokus ist der Fachhändler, nicht der eigene E-Commerce.“