Im Januar stand der Performanceschuhhersteller On in der Kritik: Hohe Margen verwässerten das Ideal des sozialen Engagements. Die hohen Verkaufspreise widersprächen dabei den eher unterdurchschnittlichen Löhnen, die die Schweizer Marke den Lieferanten in Vietnam auszahlten.
Während das berichtende Medium zum Zeitpunkt der Debatte die Inszenierung des Unternehmens als sozialer Player in Frage stellte, greift die Bürgerbewegung Campax den Lohn-Widerspruch direkt an. Als eine Marke, „deren Geschäftsleitungsmitglieder pro Tag mehr als das 7600-fache einer Näherin in Vietnam verdient“, heure das Unternehmen Gesichter wie Roger Federer an, um die „hohen Preise für ihre Produkte verlangen zu können.“ On entgegnete ursprünglich, durchschnittlich 40% mehr als das gesetzliche Minimum auszuzahlen. Genaue Zahlen gibt es jedoch nicht.
Hochrechnungen zum Gehalt
Das ebenfalls Schweizerische Medium Blick rechnet die Lohnsituation vor: „In Vietnam gibt es je nach Arbeitsort unterschiedliche Mindestvergütungen. Diese bewegen sich zwischen 3,25 Millionen Dong (etwa 118 Euro) in der Region IV und 4,68 Millionen Dong (etwa 170 Euro) in der Region I. Der Mittelwert liegt bei umgerechnet rund 147 Franken (150 Euro). Rechnet man hier 40 Prozent drauf, kommt man auf rund 205 Franken (208 Euro) Lohn. Bei 77 Prozent plus gibt es 260 Franken (265).“ Campax selbst fordere von Unternehmen ein Monatsgehalt von 450 Franken pro Monat.
Gescheitertes Treffen
Die scharfen Worte wollte das Schweizer Unternehmen nicht unerwidert haben und lud deshalb zum Gespräch. Wie es in dem Schweizer Medium Watson heißt, habe der Produzent jedoch klare Anforderungen an Campax gestellt: keine Fotos, keine Videos und keine Protestaktionen. Zu einem Treffen kam es nicht.
Der genaue Grund ist unklar, allerdings kam es im Vorfeld des Gesprächs zu einer Aktion einer Aktivistin. Mit blutigen Fußspuren bemalte sie das Gelände des Hauptsitzes in Zürich. „Ein Kunde innerhalb des On-Shops fühlte sich dadurch angegriffen und rief die Polizei“, heißt es von Watson. Gegenüber 20 Minuten schrieb On darauf: „Es wird niemanden überraschen, dass die Grundlage für einen vertrauensvollen Austausch dadurch entfallen ist und wir den Termin abgesagt haben.“