Strahlender Sonnenschein und Urlaubstemperaturen am Bodensee. Im über 600 Jahre alten Konstanzer Konzilsgebäude – gebaut als Speicher für allerlei Waren und später Austragungsort der Papstwahl – trafen sich Vertreterinnen und Vertreter aus Schuhindustrie und -handel sowie dem Messe- und Dienstleistungssektor.
Der Deutsche Schuh- und Lederwarentag folgte auf die interne HDS/L-Mitgliederversammlung, die am Vormittag vor Ort stattgefunden hatte. Und das unter erschwerten Bedingungen, denn ein Stromausfall hatte streckenweise für Dunkelheit und das Versagen der Klimatisierung gesorgt. Der Austausch des HDS/L-Präsidiums fand dennoch reibungslos statt.
Nach dem Mittagsimbiss begann dann das Symposium, neu der Deutsche Schuh- und Lederwarentag, als offizieller Teil, zu dem zahlreiche Branchenmitglieder angereist waren. In seiner Begrüßung zeichnete der HDS/L-Vorsitzende Carl-August Seibel zunächst ein düsteres Bild: Probleme wie die Klimaziele oder die Herausforderungen der Digitalisierung seien zwar überall auf der Welt die gleichen. Während andere Industrienationen aber vorwärts dächten, mit Engagement, Pioniergeist, neuen Ideen und Technologien vorangingen und proaktiv nach Lösungen suchten – und diese auch fänden –, werde hierzulande monatelang über Heizungsanlagen diskutiert. „Ich weiß, die Lage ist nicht einfach“, so Seibel. Die Folgen von Corona und des Ukraine-Krieges stimmten die deutsche Wirtschaft nicht optimistisch. Speziell für die Schuhbranche komme es mit Inflation und steigenden Preisen und Zinsen „knüppeldick“. „Die Krise ist für uns alle schon fast zum Tagesgeschäft geworden“, so der HDS/L-Vorsitzende. Das Phänomen der „German Angst“ gehe um, die Verbraucher seien verunsichert, die Konsumlaune im Keller – und wer Geld übrig habe, gebe dieses gerade nicht in Shopping Malls aus, sondern für Urlaube, Wellness und den Restaurant-Besuch.
Dann aber schaltete Seibel um auf Optimismus: „Es wird so nicht bleiben, es wird besser werden. Mut ist gefragt. Wir brauchen neue Strategien und sollten optimistisch bleiben. Neue Lösungsansätze und mehr Mut – genau deshalb sind wir hier“, so der Unternehmer. Es gelte, Chancen zu suchen. Das bedeute auch, sich Veränderungen anzupassen. Denn manche Geschäftsmodelle seien schlicht überholt. Daher seien neue Konzepte der Kooperation gefragt und die Stärken des HDS/L gerade in der aktuellen Situation von großer Bedeutung.
„Was wir jetzt aber brauchen, ist eine gehörige Portion Pioniergeist“, stellte Seibel klar. „Die Pioniere erobern neue Welten und erreichen Wohlstand und Fortschritt.“
In diesem Sinne boten verschiedene Referenten Perspektiven und Ideen, mit denen Pioniergeist geweckt und neue Wege beschritten werden können. Dazu gehörten unter anderem Christian Decker, Co-Geschäftsführer des Achimer Maschinenbauers Desma und der Direktor der italienischen Arsutoria-Schule, Matteo Pasca, sowie Vertreter von Start-ups, die mit Recycling, Lederalternativen ohne Rohöl und innovativen Technologien auch die Schuhbranche weiterbringen wollen. Günter und Jonah Althaus, die im Rahmen des Cool-Hunter-Hochschul-Projekts der Verbundgruppe Assima hoch zwei in zahlreichen europäischen Hauptstädten Inspirationen aus dem Einzelhandel gesammelt hatten, brachten einige spannende Ideen auch für die Schuhbranche mit. Und der Psychologe Rüdiger Maas erklärte auf unterhaltsame Art, wie Nachwuchskräfte ticken.
Einen ausführlichen Bericht über den Deutschen Schuh- und Lederwarentag lesen Sie in der kommenden Ausgabe von schuhkurier.