Die Voraussetzungen könnten nicht anspruchsvoller sein: „Der Handel leidet unter rückläufigen Frequenzen, ausgelöst vor allem durch den wachsenden Onlinehandel. Der Kunde erwartet die schnellen und effizienten Prozesse des Onlinehandels auch von uns. Und: Der Januar war katastrophal“, zeichnete Mastrorilli in seiner Einführung ein düsteres Bild.
Und schob gleich ein positives Signal hinterher. So soll kurzfristig die ZR-Saisonlinie für Quick Schuh-Händler, welche die dafür erforderlichen Bedingungen erfüllen, von 30 auf 45% erhöht werden. Zugleich sollen diese Unternehmen auf längere Sicht von zahlreichen neuen Tools und Bausteinen profitieren und an ihren Standorten bessere Erträge erwirtschaften. Wesentlich sind dabei möglichst viele Informationen über die Verbraucher. „Amazon & Co. kennen den Kunden viel besser als wir – und die haben ihn noch nicht einmal gesehen“, erklärte der Konzeptleiter.
Gleichzeitig beobachte man derzeit, dass Onlinehändler zunehmend Interesse am stationären Handel entwickeln. „Wir können stationären Handel schon“, betonte Mastrorilli die Chancen für die neuen Franchise-Nehmer.
Maßnahmen für die Zukunft
Vor der inhaltlichen Neuaufstellung des Franchise-Systems lag in den vergangenen Monaten die Bestandsanalyse. Nicole Wesner, Bereichsleiterin Marketing für die Quick Schuh, warf einen Blick auf die aktuelle Flächenproduktivität. Diese liege bei 1.700 Euro pro Quadratmeter. Dies sei „eher bescheiden“ im Vergleich zu Mitbewerbern. Ziel sei es nun, die Flächenproduktivität in drei Jahren auf 2.000 Euro pro qm und in fünf Jahren 2.400 Euro zu erreichen. Dazu sei es erforderlich, einige Schritte zu gehen. Die Neuerungen umfassen den Ladenbau, ein neues CI und eine neue Strategie im Bereich Ware. Zunächst wurde ein neues Logo entwickelt, bei dem die bekannte Anmutung zwar noch gut erkennbar ist, jedoch moderner gestaltet wurde. Das grüne ‘Q’ steht jetzt auf weißem Hintergrund, eine handschriftlich wirkende Typo soll eine frische Wirkung erzielen.Die insgesamt 350 verschiedenen Werbeformate, die in den letzten Jahren entwickelt wurden, sollen auf eine überschaubare Zahl von Varianten reduziert werden. Der neue Auftritt von Quick Schuh soll die Attribute ’sympathisch‘, ’lokal verfügbar‘, ’markenbewusst‘ und ’preisgünstig‘ transportieren. Diese Ziele wurden zusammen mit einer neuen auf Einzelhandel spezialisierten Werbeagentur als Partner formuliert.
In weiteren Schritten soll das Franchise-System ein schärferes Profil erhalten, indem u.a. Marken stärker in den Fokus rücken. Dies soll auch mit leicht höheren Durchschnittspreisen (Schwerpunkt zwischen 49,95 und 69,59 Euro) einhergehen. Zugleich sollen Eigenmarken ein wichtiger Baustein im Sortiment bleiben. Der Schwerpunkt des Angebots liegt weiterhin bei den Damenschuhen; Quick Schuh tritt jedoch mit einem Sortiment für die ganze Familie an. Dabei sollen die Zielgruppen klarer definiert und angesprochen werden. Im Damenbereich soll das Sortiment auf die Segmente ’Young Fashion‘, ’Modern Woman‘ und ’Modern Basic‘ fokussieren. Hinzu kommen die Bereiche ’Men‘, ’Sport Unisex‘ und ’Kids‘. Ein so genanntes ’Masterlayout‘, das die Sortimentsaufteilung auf einer ’optimalen‘ Fläche mit 350 qm darstellt, soll als Richtlinie für die Neugestaltung der Quick Schuh-Standorte dienen. „Wir werden versuchen, uns bei der Expansion an diesem Masterlayout zu orientieren“, so Mastrorilli. Zugleich werde man bei bestehenden Flächen die Gegebenheiten des Standortes berücksichtigen.
Beim Pricing und entsprechenden Aktionen sollen künftig die Markenpreise noch stärker im Mittelpunkt stehen, ein neues Preisschildkonzept mit handgeschriebenen Reduzierungen soll maximale Wirkung erzielen. Statt Preisnachlässen nach dem Gießkannenprinzip sollen punktuelle Aktionen gefahren werden – und Quick Card-Besitzer von exklusiven Angeboten profitieren.
Effizientere Prozesse, wie sie derzeit an 22 Standorten mit der Sneakerwand getestet werden, sollen den Quick Schuh-Händlern zu mehr Umsatz verhelfen. Überhaupt soll alles, was für den Point of Sale angeboten wird, zuvor umfangreich zentralseitig getestet werden. Aktuell wird ein Test mit Kinderschuhen der Marke Geox vorbereitet. Zugleich wollen sich die Verantwortlichen in Mainhausen für mehr Verbindlichkeit stark machen. Statt dem individuellen Einkauf sollen Aufträge in Zukunft stärker gebündelt werden – „wir treten dann auf wie ein Filialist“, erläuterte ANWR-Warenvorstand Fritz Terbuyken.
Ladenbau wird günstiger und variantenreicher
Auch der Ladenbau wurde für die ’neue Quick Schuh‘ überarbeitet und soll mit neuen Modulen und einem attraktiven Preis-/Leistungsverhältnis überzeugen, ohne auf Wertigkeit zu verzichten. Der qm-Preis von 175 Euro liege 20% unter den letzten Ladenbau-Generationen, so Mastrorilli. Neu sind Soft Shops mit verschiedenen Marken (z.B. Tamaris), wobei der Ladenbau immer dem Quick Schuh-System entspricht. Shops mit Fremdmöbeln soll es bei dem Franchise-System nicht mehr geben. Neu gestaltet wurde der Kassenbereich, bei dem Furnituren stärker in den Blickpunkt rücken. Als Kooperationspartner wirbt der Anbieter BNS dafür, seine Produkte aufmerksamkeitsstark an der Rückwand zu präsentieren – dies soll Möglichkeiten für Zusatzverkäufe bieten. Herzstück des neuen Ladenbaus sind zudem so genannte Stirngondeln am Kopf eines Regalelements, auf denen einzelne Modelle präsentiert und gezielt beworben werden können.