Viele Unternehmen der Schuhbranche winden sich im Hin und Her aus Forderungen an die anderen und Erklärungen für das eigene Verharren auf tradierten Positionen.
22.02.2017
Petra Salewski
2 Minuten
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Zu den geliebten Traditionen unserer Branche gehört es, dass sich der Handel von der Industrie benachteiligt und bisweilen gar über den Tisch gezogen fühlt – und die Industrie dem Handel vorwirft, an seinen Problemen selbst Schuld zu sein und zu wenig dagegen zu tun. Hinter vorgehaltener Hand wird auf beiden Seiten geschimpft, gefordert und an Polemik nicht gespart. Und ebenso gehört es zu den Spezialitäten des Schuhbusiness, dass am runden Tisch gern die Partnerschaft beschworen und Einigkeit demonstriert wird. Man will lieber nicht öffentlich als Spielverderber oder gar Blockierer dastehen. Dann lieber die Gemeinsamkeiten betonen und den Finger auf die Überholspur richten, wo Amazon, Zalando und die vertikalen Fashionanbieter bereits mit konstant erhöhter Geschwindigkeit schon im Begriff sind vorbeizurauschen auf dem Weg zum Verbraucher.
In unserer Branche wird viel über Probleme gesprochen. Aber wenig über Lösungen. Es heißt zu häufig „man müsste“ und „wir brauchen“. Um das, was angeboten wird, dann im selben Atemzug als Ding der Unmöglichkeit oder eben Unsinn abzutun. Bedenken gibt es beinahe reflexartig gegen fast alles. Und das Misstrauen wabert zwischen den Parteien. Derweil winden sich viele Unternehmen der Schuhbranche weiter im Hin und Her aus Forderungen an die anderen und Erklärungen für das eigene Verharren auf tradierten Positionen. Sie durchleiden herausfordernde Saisonverläufe. Sie stellen fest, dass deutlich mehr Aufwand nicht zu deutlich mehr Umsatz führt. Sie müssen erkennen, dass eine schwarze Null am Ende des Jahres zwar bedeutet: keinen Verlust gemacht. Aber eben auch: keine wirtschaftliche Grundlage für teure Investitionen in die Zukunft erreicht.
Im dritten großen Jahresauftakt-Interview von schuhkurier äußert sich Lloyd-Geschäftsführer Andreas Schaller gewohnt klar und deutlich. Er spart nicht mit Forderungen an den Handel. Er wünscht sich, dass die Unternehmen Antworten finden für die Herausforderungen unserer Zeit. Fordert eine Abkehr vom rein mengenfokussierten Verkauf und die Hinwendung zur Strategie der höheren Durchschnittspreise. Und wirft dem Handel vor, zu wenig aktiv und innovativ zu sein. Da spricht einer seine Meinung also mal ganz offen aus. Das dürfte zu den bereits erwähnten Reflexen führen: Schließlich arbeitet Lloyd doch am Handel vorbei – Stichwort Monomarkenstores in Eigenregie – und wird sogar noch selbst zum Konkurrenten – Stichwort Outlets. Nicht zu vergessen der Preisverhau, den das Unternehmen mit Aktionen in Online-Shopping-Clubs gleich selbst betreibt. Auch diese Standpunkte haben ihre Berechtigung, man kann sie dem streitbaren Andreas Schaller entgegenhalten. Aber eine auf die Zukunft ausgerichtete Diskussion darf nicht mit einem solchen Schlagabtausch enden. Sondern muss danach erst richtig beginnen. Darin liegt die Chance für unsere Branche.