Region Franken: Mehr als man denkt
Wie tickt der Handel, was suchen die Kunden?
- 19.08.2026
- Lisa Dartmann
- 1 Minute
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Headerfoto: Einkaufsmeile Schwabacher Straße. (Foto J. Christianson)
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In Nürnberg geht man zum Wöhrl. Das Stammhaus am Ludwigsplatz hat eine Gesamtfläche von rund 30.000 qm auf sechs Etagen. Das Sortiment umfasst Bekleidung für Damen, Herren und Kinder sowie eine Taschen- und Beautyabteilung. Für den Schuhbereich arbeitet Wöhrl mit Tretter zusammen. Das Schuhhaus belegt die zweite Etage mit Marken wie unter anderem On, Back 70, Paul Green, Gant, Birkenstock, Lloyd, Asics und Geox. Im Untergeschoss hat sich Decathlon angesiedelt. In direkter Nachbarschaft residiert Sport Scheck auf vier Etagen. „Wir profitieren von unseren Stammkunden. Sie sind ein wesentlicher Anker des regionalen Textilhandels“, betont ein Unternehmenssprecher von Wöhrl.
Die Stadt Nürnberg habe mit Baumbepflanzungen und neuem Straßenbelag viel in die Aufenthaltsqualität investiert. „Aber wir müssen es den Menschen wieder leichter machen, in die Stadt zu kommen. Ein Dauerbrenner ist die Baustellensituation, die es unseren Kunden erschwert, in die Stadt zu kommen.“ Notwendig seien der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und zusätzliche Park & Ride-Parkplätze, bemängelt er.
Wöhrl am Ludwigsplatz in Nürnberg (Foto: Redaktion)
Vom Ludwigsplatz bis zur Pfannenschmiedsgasse erstreckt sich die Breite Gasse. Dass dort schon länger gebaggert und geschaufelt wird, ist vielen Einzelhändlern ein Dorn im Auge. Die Straße bekommt einen neuen Granitbelag, der zu einem höherwertigen Erscheinungsbild führen soll. Das erste Drittel ist fertiggestellt und die Wirkung zeigt sich bereits: Dort ist C&A im Umbau, daneben wird TK Maxx einziehen. Auch die Stores von Tamaris und Rieker befinden sich in diesem Abschnitt. Der zweite Bauabschnitt soll Ende Juli 2027 abgeschlossen sein, heißt es im Portal der Stadt Nürnberg. Noch ist dieser Bereich eine B-Lage und leidet zusätzlich unter den Bauarbeiten.
Ein Lichtblick ist Crämer & Co. Der moderne Kultladen für Jeans und hochwertige Mode ist hier seit 1983 eine Institution. Auf 2.500 qm gibt es mit über 100 internationalen Brands die größte Jeansauswahl Deutschlands, wirbt Crämer & Co. Zu den Jeans gibt es unter anderem Schuhe von Ugg, Birkenstock und Redwings. Um die Ecke am Hallplatz endet eine Ära. Der Brooklyn Shop für Sneaker und Streetwear schließt nach 30 Jahren seine Türen, ein Urgestein für urbane Mode rund um Hip-Hop und Skatekultur.
In der Nähe der Lorenzkirche führt Manuela Gendrisch das Franchisegeschäft Dr. Gruber Kinder- und Jugendschuhe. Mit ihrem Kinderschuhfachgeschäft sei sie hier allein in Nürnberg, der letzte Mitbewerber habe vor einem Jahr geschlossen. Manuela Gendrisch hat ein klassisches Kinderschuhfachgeschäft mit Marken wie Bisgaard, Naturino, Koel, Ricosta, Froddo, Viking, Däumling oder Superfit, inklusive elektronischer Fußvermessung und intensiver Beratung. Sie fühle sich hier in der Gegend wohl und es komme fast ausschließlich Stammkundschaft. Generell habe die Stadt aber an Attraktivität verloren. Sie klagt über die Leerstände und das Kaufhof-Projekt der Stadt. Ärgerlich seien zudem die Parksituation und die horrenden Parkgebühren.
Castros in Nürnberg (Foto: Redaktion)
In der Königspassage führt Katharina Russ seit 20 Jahren den Concept Store Castros. Der stark frequentierte Standort in der Nähe des Hauptmarktes und dem als Instagram-Fotomotiv beliebten Julius- Spital an der Pegnitz ist für sie ideal. Bis vor zwei Jahren betrieb Castros innerhalb der Passage zusätzlich zum Concept Store einen Schuhladen. Das Ladenlokal steht immer noch leer. Der Schuhverkauf sei zunehmend schwierig geworden, erzählt die Einzelhändlerin. Sie führt in ihrem hochwertigen Concept Store Mode, Accessoires und eine kleine Auswahl an modischen Schuhen aus Italien und Spanien. Das Geschäft ist liebevoll und aufwendig dekoriert, jeweils Outfits mit passenden Accessoires und Schuhe. „Mir geht es um Emotionen und Wohlfühlen. Die Kundinnen und Kunden möchten etwas erleben und sich austauschen“, so Katharina Russ. Sie beschreibt ihr Geschäft als Begegnungsstätte ohne Zwang. Zur Begrüßung gibt es erst einmal einen Espresso. Da kommen alle gleich ins Gespräch.
Schuhhaus Barthelmess in der Kaiserstraße (Foto: Redaktion)
Einen kleinen Spaziergang weiter in Richtung der die Innenstadt durchfließenden Pegnitz geht es in Nürnbergs Luxuslage. Das Schuhhaus Barthelmess gibt es seit 1884 in Nürnberg. „Wir sind das älteste traditionelle Schuhhaus“, erzählt Geschäftsführer Thomas Bahner mit Stolz. Mit elf Metern Schaufensterfront hat das 240 qm große Schuhhaus seinen Platz in bester 1A-Lage auf der Kaiserstraße 31-3531–35. Gegründet in der Färberstraße 24, erfolgte vor drei Jahren der Standortwechsel in die Luxuslage. Das Niveau der Färberstraße sei erheblich gesunken und das Publikum habe sich verändert, erzählt Bahner. Als der Mietvertrag auslief, ergriffen die beiden Geschäftsführer Thomas Bahner und sein Bruder Maximilian Bahner die Chance und verlegten das Schuhhaus in die hochwertige Kaiserstraße. „Das Beste, was uns passieren konnte. Hier ist alles vorhanden, was unserer Klientel entspricht, die gute Ware und Service wertschätzen“, erklärt Thomas Bahner. Nach dem Umzug sei ein Großteil der Kunden und Kundinnen mitgekommen, auch die Kundschaft aus den Designerläden in der Kaiserstraße schätze das Angebot und die Beratung.
Barthelmess ist ein klassisches Bedienungsgeschäft mit über 7.000 Schuhen im Sortiment mit Marken wie z. B. Rohde, Semler, Hartjes, Finn Comfort, Joya, Rieker. „Nur ein bequemer Schuh ist auch ein guter Schuh“, lautet das Credo von Thomas Bahner, der mit seinem Team traditionell mit „Schuhlöffel und Hocker am Fuß bedient“. Die aufwändige und persönliche Beratung werde sehr gut angenommen und sei ein Aushängeschild des traditionellen Schuhgeschäftes. „Wir hoffen, dass der Charakter hier erhalten bleibt, denn unsere Kunden suchen eine stimmige Atmosphäre. Die gute Geschäftslage in Nürnberg verschiebt sich von der Karolinen- straßeKarolinenstraße in Richtung Königstraße und Kaiserstraße zum Hauptmarkt“, meint der Einzelhändler.
Shushu in Nürnberg (Foto: Redaktion)
Von der Kaiserstraße ist man schnell in den kleinen Nebenstraßen rund um den Trödelmarkt, einer kleinen Insel in der Pegnitz. Hier gibt es viel zu entdecken. Am Weinmarkt befindet sich das kleine 65 qm große Modegeschäft Shushu, das Christina Lottes 2004 hier eröffnet hat. Der Anfang erfolgte mit Schuhen, Taschen und Accessoires. Das Schuhgeschäft wurde zunehmend schwieriger, so nahm sie Mode dazu. Der Schuhanteil mit Marken wie Wonders, The Seller und Anima liegt inklusive Accessoires nur noch bei 30 %. „Das Geschäft ist ein täglicher Kampf“, erzählt die Einzelhändlerin. Ohne ihre Stammkunden könnte sie nicht existieren. Der idyllische Schein trügt. In der schönen Jahreszeit sei die Gegend sehr begehrt, aber bei schlechtem Wetter sei wenig los. „Darunter leiden wir alle. Die Straße wurde zur Fußgängerzone umgewandelt. Durch die Verkehrsberuhigung sei der Platz zwar schöner geworden, aber wegen fehlender Tagesgastronomie mangelt es immer noch an Frequenz“, erzählt Christina Lottes.
Muecke im Hornschuchcenter ist ein Anziehungspunkt für die ganze Region. (Foto: Redkaktion)
Die Stadt mit dem Kleeblatt liegt 7,3 km von Nürnberg entfernt. Der 3.000 qm große Muecke-Store im Hornschuchcenter ist ein Anziehungspunkt für alle Schuh- und Modekäufer aus der Region. Für Fürth sei das eine Bereicherung, bestätigt die Innenstadtbeauftragte Karin Hackbarth-Herrmann. Muecke ist mit dem kompletten Sortiment für Damen, Herren und Kinder in großer Auswahl auf einer Fläche vertreten. Da können sich Familien komplett einkleiden. „Wir punkten mit hervorragender Erreichbarkeit und bequemen Parkmöglichkeiten direkt vor Ort. Das macht den Einkauf bei uns stressfrei“, erklärt Muecke-Geschäftsführer Felix Schmuck. Das Gesicht des Schuhhandels in den Innenstädten habe sich in den letzten Jahren dramatisch verändert. Die Schließung bekannter Traditionsanbieter und der sichtbare Leerstand seien besorgniserregend. Umso wichtiger werden integrierte Standorte mit hoher Servicequalität und einer gut erreichbaren Infrastruktur.
Felix Schmuck, Geschäftsführer Muecke (Foto: ANWR Group)
Dabei hat die gepflegte Fürther Innenstadt sehr viel zu bieten. Die Fußgängerzonen wurden komplett neu mit einem dekorativen hellen Steinboden gestaltet. Die Schwabacher Straße ist die Haupteinkaufsmeile. Karin Hackbarth-Herrmann, die regelmäßig Einkaufsführungen für Besucher macht, berichtet: Zusätzliche Frequenz haben vor allem die Entwicklung der Neuen Mitte und des Fürther Markts in der Rudolf-Breitscheid-Straße gebracht. Auch das 2021 neu eröffnete Einkaufszentrum Flair mit 20.000 qm Fläche sorge für steigende Besucherzahlen. „Wir haben keinen Frequenzmangel, sondern mehr als eine Verdoppelung in den letzten Jahren“, sagt die Innenstadtbeauftragte. Die Leerstandsquote pendelt sich zwischen 10 % und 15 % ein. „Wir haben regelmäßige Anfragen. Es gibt immer wieder Neuvermietungen und Anfragen nach kleinen Ladenflächen“, sagt Karin Hackbarth-Herrmann selbstbewusst. Schuheinzelhändler gibt es in der Schwabacher Straße jedoch nur wenige. Um diese Lücke zu füllen, hätten viele Modegeschäfte Schuhe im Sortiment aufgenommen. Unter dem Dach Internationale Mode Mary Lou GmbH führt die Einzelhändlerin Maria Tricarico die Modegeschäfte Mary Lou, Bellezza und Mister Lou. Im ca. 100 qm großen Damengeschäft Mary Lou treffen sich an diesem sonnigen Vormittag einige Kundinnen. Sie scheinen sich gut zu kennen, lachen viel, probieren an und tauschen sich über die neuesten Trends aus. Mittendrin wirbelt Maria Tricarico herum. Sie betreibt den Store seit 36 Jahren. Hauptsächlich verkauft sie momentan Sommerkleider. Das Schuhangebot umfasst eine kleine Auswahl spanischer und italienischer Marken plus Accessoires. Die Stadt habe sich sehr verändert, so die Einzelhändlerin. Aber mit ihrer sehr persönlichen und freundlichen Art schafft sie es immer wieder, die Kundinnen und Kunden zu begeistern. Ebenfalls seit über 30 Jahren am Standort ist Maria Holgerson Moden. Martina Rheingruber und ihr Sohn verkaufen unkomplizierte Damenmode plus Accessoires. Die „Neue Mitte“ bringe Frequenz. Konkurrenten wie Muecke im Hornschuchcenter würden das Geschäft beleben.
Tretter Store in den Arkaden in Erlangen (Foto: Redaktion)
120.553 Menschen leben in der Stadt, die bekannt ist für ihre Universität und die Technologiebranche mit Siemens als wichtigstem Arbeitgeber. Die Altstadt mit ihren hübschen kleinen Gassen und Seitenstraßen ist ein Anziehungspunkt für viele Besucher. Hier gibt es zahlreiche kleine inhabergeführte Läden, Biergärten und Cafés. Gegenüber vom Markgrafenschloss lädt der Schlossstrand für sechs Wochen zu einer Pause mit kühlem Cocktail im Liegestuhl ein.
Nürnberger Straße
Die Haupteinkaufsmeile beginnt bei den Erlangen Arkaden an der Nürnberger Straße. In den Arkaden ist die große Schuhfläche von Tretter ein Anziehungspunkt. Im Erdgeschoss betreibt Schuh Peppel einen Outletstore. Schräg gegenüber den Erlangen Arkaden befindet sich seit fast 40 Jahren das großflächige Hauptgeschäft von Peppel. In der Fußgängerzone fällt der Räumungsverkauf des Schuhoutlets Mengin ins Auge. Tretter hatte das Geschäft 2021 übernommen. Wie Gregor Tretter bestätigt, solle es aber am Standort weitergehen. Statt des Outlets wird hier eine neue Tretter-Filiale entstehen. Die Tretter-Fläche in den Arkaden werde dann geschlossen.
In der Inneren Brucker Straße 12, gleich westlich der Nürnberger Straße, hat das Geschäft Dorina Shoes & Bags seinen Sitz. Dorina Porisch führt den ca. 100 qm großen Store seit 28 Jahren. Sie verkauft hier Damenschuhe aus Portugal, Spanien und Italien und bedient hauptsächlich Stammkundinnen. Die Inhaberin steht jeden Tag im Geschäft. Von Personal habe sie sich getrennt, weil die Kundinnen doch lieber von der Chefin bedient werden möchten. Wenn sie mal zur Order muss, kommt ein „Geschlossen“-Schild an die Tür. Für sie ist die Welt im Erlanger Einzel- handelEinzelhandel schon lange nicht mehr in Ordnung. Es gebe zu viele Billigläden, zu wenig Parkplätze. „Hier ist es nicht mehr so wie es einmal war“, sagt sie abschließend.
Dennoch: Viele Geschäfte halten sich lange und es gibt überraschend viele individuelle Adressen. Der Modeladen Scala in der Nähe des Schlossplatzes existiert seit über 40 Jahren. Ein Juwel ist der hochwertige Concept Store Idea Mode, in der Weiße-Herz-Straße 6 am Anfang der Altstadt. Inhaberin Elke Sommer hat das 1983 gegründete Geschäft 2006 übernommen. Die Adresse für Designermode führt Schuhmarken wie AGL, Birkenstock, Sofie d’Hoore, Lauren Manoogian. Mit Leidenschaft und feinem Gespür für Mode beschreibt Elke Sommer ihr Erfolgskonzept. Die Atmosphäre im Geschäft ist sehr persönlich und entspannt. Man kennt sich. Die Frauen probieren eifrig neue Outfits an.
Seit fast 40 Jahren ist Schuh Peppel in Erlangen ansässig. (Foto: Redaktion)
Wie in vielen deutschen Städten läuft auch in Erlangen nicht alles rund. Oliver Timmermann, Sprecher der City-Management Erlangen e. V.: „Wir haben definitiv keine Krisenstimmung, spüren aber den Druck und sind als City-Management mit unseren Betrieben im engen Austausch.“ Die Leerstandsquote liege bei 7,7 %, die 1A- Lagen seien komplett vermietet. Bei den Neuvermietungen sei der Gastronomieanteil sehr hoch, da die Studentenstadt eine recht junge Bevölkerung habe. Credo vom City-Management: Einkaufen muss heutzutage ein Erlebnis sein. Das Stadtmarketing setzt auf Events wie ein Weinfest, den Schlossstrand, Weihnachtsmärkte und eine Eislauffläche. Für das Genuss-Festival wurde für den Einzelhandel die Genuss-Safari entwickelt. Hier gibt es in den Shops kleine Leckereien zu verkosten. „Wir sehen uns nicht in Konkurrenz zu anderen Städten. Wir setzen auf eigene Stärken“, sagt Timmermann.