In der Schuh- und Modebranche müssen in diesen Tagen Entscheidungen getroffen werden. Viele davon gehen weit über das Tagesgeschäft hinaus – mit weitreichenden Konsequenzen.
03.03.2016
Helge Neumann
2 Minuten
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Robert Frost. Wer? Der amerikanische Autor und Pulitzer-Preisträger dürfte vor allem Fans des Kult-Films ’Der Club der toten Dichter‘ bekannt sein. In einem seiner berühmtesten Gedichte ’The Road Not Taken‘ erreicht der Protagonist eine Weggabelung im Wald. Rechts oder links? Welcher Weg ist der bessere? In der bildlichen Metapher der zwei Wege durch den Wald verdeutlicht Frost die Chancen und Folgen unserer ganz individuellen Entscheidungen. Genau diese müssen in diesen Tagen verstärkt auch in der Schuh- und Modebranche getroffen werden. Viele davon gehen weit über das Tagesgeschäft hinaus – mit weitreichenden Konsequenzen. Auslöser ist der Umbruch, der sich aktuell so massiv wie nie zuvor manifestiert. Aus der Prognose ist Realität geworden – tagtäglich abzulesen an der Nachrichtenlage: Die Leder & Schuh AG beschließt die schmerzhafte Streichung von 130 Arbeitsplätzen, davon die Hälfte in der Grazer Zentrale. In den Niederlanden verschwindet mit Vroom & Dreesmann ein Warenhauskonzern nach 129 Jahren vom Markt – und reißt weitere Unternehmen wie die Unlimited Sports Group mit in die Insolvenz. Gerry Weber schließt in den kommenden Monaten über 100 Läden und entlässt jeden zehnten Mitarbeiter. Auch bei Tom Tailor stehen die Zeichen auf Standortbereinigung. Bis zu 100 Stores sollen dem neuen Sparkurs zum Opfer fallen. Bei Hugo Boss geht mit Claus-Dietrich Lahrs der Architekt der internationalen Expansion der vergangenen Jahre von Bord, nachdem sich der Aktienkurs des deutschen Vorzeige-Modeunternehmens im Laufe des vergangenen Jahres halbiert hat.
Es wäre jedoch falsch, angesichts dieser Entwicklungen in undifferenzierte Schwarzmalerei zu verfallen. Schließlich gibt es auch in diesen Tagen viele Erfolgsmeldungen. Dazu gehören etwa die jüngsten Rekordzahlen bei Foot Locker, Skechers und Deichmann – und viele weitere Erfolgsgeschichten aus kleinen und mittleren Unternehmen, die zwar weniger im Scheinwerferlicht stehen als die Genannten, dafür jedoch umso mehr Respekt verdienen. Allerdings scheint die Polarisierung zuzunehmen. Hier die Erfolgreichen, dort die Problemfälle – wobei nicht auszuschließen ist, dass es von dem einen innerhalb kürzester Zeit in das andere Lager gehen kann.
Im Übrigen spiegeln sich diese Turbulenzen im Zustand der Gesamtgesellschaft. Auch hier sind unter dem Eindruck der Flüchtlingskrise viele Grundsätze in Bewegung geraten. Dabei scheint sich in den kommenden Monaten zu entscheiden, wie wir in Europa künftig zusammenleben werden. Ausgang derzeit ungewiss. Im Gedicht von Robert Frost entscheidet sich der Erzähler letztlich für den weniger beschrittenen Weg: ’Und das hat allen Unterschied gemacht.‘