Seit Monaten blickt die Welt besorgt Richtung Russland. Ausgelöst durch die Ukraine-Krise wurden Sanktionen gegen den Kreml verhängt, die mittlerweile auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes durchschlagen, indem sie die Kapitalflucht beschleunigten. Hinzu kommt ein Absturz des Rubels im Zuge des niedrigen Ölpreises. Seit Jahresbeginn hat die russische Währung gegenüber dem Dollar rund 50% an Wert verloren. Auch für die internationale Schuhindustrie hat diese Entwicklung schmerzhafte Folgen.
„Die deutsche Schuhindustrie spürt die Krise in Russland“, erklärt Manfred Junkert, Geschäftsführer des Bundesverbands der Schuh- und Lederwarenindustrie (HDS/L) gegenüber schuhkurier. Zum Teil seien die Exporte der Mitglieds- unternehmen deutlich um bis zu 30% zurückgegangen. Im Durchschnitt sank der Export von Schuhen nach Russland im 1. Halbjahr 2014 um 18%. „Das ist vor allem vor dem Hintergrund schmerzlich, dass zahlreiche Unternehmen in den letzten Jahren sehr stark in den russischen Markt investiert, ihre Marke positioniert und vor Ort eine erfolgreiche Vertriebsstruktur aufgebaut haben“, so Manfred Junkert.
Zu diesen Herstellern gehört auch Ara aus Langenfeld. „Die aktuelle Situation ist tatsächlich sehr angespannt. Eine seriöse Perspektive kann in der momentanen Situation niemand geben“, so Vertriebsgeschäftsführer Stefan Frank. „Wir gehen aber davon aus, dass sich die Situation auch im nächsten Jahr nicht verbessern wird.“ Ähnlich sieht es Dr. Norbert Breuer von Salamander: „Die Perspektiven sehen wir sehr dunkel.“ Für Stefan Frank gilt es in der aktuellen Situation, Ruhe zu bewahren und sich auf die veränderten Rahmenbedingungen einzustellen. Es gelte, zunächst die Orders für Frühjahr/Sommer 2015 abzuwickeln. „Darüber hinaus muss jedes Unternehmen für sich eine Strategie entwickeln, wie man mit der Situation insbesondere auch im Hinblick auf die kommende Herbst/Winter-Saison 2015/16 umgeht.“
Seit fast 20 Jahren ist auch die Detmolder Wortmann-Gruppe in Russland aktiv. „Aufgrund der langjährigen Kontakte konnten alle Krisen, die es auch in der Vergangenheit gab, mit am Ende stetig gestiegenen Umsätzen bewältigt werden“, sagt Dott. Giovanni Lacatena. So sei die Gruppe seit 2008 auch mit eigenen Niederlassungen sehr erfolgreich in Russland aktiv. „Die Planung der Saison Herbst/Winter 2015/16 ist aufgrund des in den letzten Tagen nochmals extrem gefallenen Rubel-Kurses allerdings eine große Herausforderung. Erhebliche Preissteigerungen scheinen für den russischen Markt unvermeidlich, so dass auch Wortmann zunächst mit erheblicher Zurückhaltung bei den Voraufträgen für diese Saison rechnet. Russland bleibt jedoch weiterhin für uns ein sehr wichtiger Exportmarkt“, so der geschäftsführende Gesellschafter.