Melvo-Geschäftsführer Christoph Hirschmann sieht die Übernahme als wichtigen Schritt für sein Unternehmen. „Wir haben in den letzten Jahren eine sehr erfolgreiche Entwicklung absolviert, unser Team neu aufgestellt und enorm an unserem Standort investiert.” Nun wolle man sich unter dem Dach von S. C. Johnson auf diesem Wege weiter entwickeln, so Hirschmann gegenüber schuhkurier.
Für den Schuhfachhandel soll sich nach Einschätzung Hirschmanns nichts ändern – die Unternehmen Bama und Melvo sollen mit ihren Marken erhalten bleiben; ebenso das Produktangebot für die Händler. „Wir werden aber gemeinsam profitieren, indem wir in Fragen des Vertriebs und der Innovation unsere Erfahrungen austauschen.” Produktüberschneidungen stellen demnach kein Problem dar, weil alle Marken weiter unabhängig agieren sollen.
Mit seinen Marken Salamander und Woly ist das Unternehmen Melvo weltweit aktiv. Durch den Relaunch von Woly Sport und dem Erwerb der französischen Marke Grison wurde das Markenportfolio zuletzt weiter ausgebaut.
Sara Lee verkauft Schuhpflegesegment an SC Johnson
Wie der US-amerikanische Konsumgüterkonzern Sara Lee Corporation in einer Presseerklärung am 31. Dezember mitteilte, umfasst das verbindliche Angebot von SC Johnson (u.a. Stahlfix, Autan) in Höhe von 245 Mio. Euro das globale Schuhpflegesegment und damit u.a. die Marken Kiwi, Bama und Tana. Die Übernahme bedarf noch abschließender handelsüblicher Vorgänge sowie rechtlicher Genehmigungen. So müssen das Kartellamt in Brüssel der Übernahme zustimmen und Verhandlungen mit verschiedenen Betriebsräten abgeschlossen werden. Benno P. Duetz, General Manager von Bama International, das unter der Sara Lee Deutschland GmbH geführt wird, geht allerdings davon aus, dass diese Hürden genommen und die Transaktion – das so genannte Closing – bis zum Ende des Geschäftsjahres 2011 (Stichtag 2. Juli 2011) vollzogen sein wird.
Wie Sara Lee weiter mitteilte, hat das Geschäftssegment der Schuhpflegeprodukte im Geschäftsjahr 2009 rund 230 Mio. Euro (unter Berücksichtigung von Wechselkursen 315 Mio. US-Dollar) erwirtschaftet, was etwa 19% der bereinigten Umsätze im internationalen Haushalts- und Körperpflegesegment entspreche. Mit der geplanten Transaktion im Schuhpflegesegment will Sara Lee den schon vor einigen Jahren eingeläuteten Transformationsprozess seiner Produktsparten fortsetzen. Der Konzern hat diverse Sparten bereits im Vorfeld veräußert; darunter den Körperpflege-Bereich an das Unternehmen Unilever. Bereits seit April 2009 läuft nach Angaben von Benno Duetz der strategische Review, welche u.a. den Verkauf des Haushalts- und Körperpflegesegments als mögliche Option beinhaltet. Sara Lee will sich künftig verstärkt u.a. auf sein Kerngeschäft Food (u.a. die Marke Senseo) konzentrieren. Benno P. Duetz geht davon aus, dass SC Johnson das Schuhpflegegeschäft weiter ausbauen wird. Anders als Sara Lee, das in den letzten Monaten den Verkauf der Sparte vorangetrieben habe, zeige die geplante Investition von SC Johnson ein hohes Interesse an dem Geschäftsfeld.
„Bislang ist SC Johnson in diesem Bereich nur in Mexiko und China aktiv. SC Johnson Schuhpflege Marken, die mit unseren in Konkurrenz stehen, gibt es daher in Europa nicht. Seitens SC Johnson besteht in Europa noch keine Infrastruktur im Schuhfachhandel.” Mit diesem Neueinstieg sei zu erwarten, dass SC Johnson verstärkt in die bestehenden Marken investieren werde – „und das ist für den Schuhfachhandel sicher eine positive Nachricht”, so Duetz.
Das Unternehmen Sara Lee setzt sich aus der Sara Lee Corporation (USA – Chicago) und Sara Lee International (NL – Utrecht) zusammen. Sara Lee Deutschland ist Teil der Sara Lee Corporation und hat drei Tochterunternehmen mit Sitz in Köln, Mainz und Mosbach. Rund 100 Mitarbeiter sind in Deutschland für die BAMA International tätig.
Seine Wurzeln hat Melvo im Salamander-Konzern: Der Schuhhersteller startete bereits 1922 mit der Produktion und dem Vertrieb von Schuhpflegemitteln unter der Marke Salamander. Im Jahr 1988 wurden diese Aktivitäten in der neu gegründeten Melvo konzentriert, die bis Ende 2003 als Tochtergesellschaft der Salamander AG geführt wurde. Seit dem Einstieg von VR Equitypartner im Jahr 2007 verfolgt Melvo nach eigenen Angaben eine zielgerichtete Wachstums- und Internationalisierungsstrategie. Deren Umsetzung sei mit Unterstützung des Finanzierungspartners und seines internationalen Netzwerks in den vergangenen fünf Jahren erfolgreich gelungen: Durch die Gründung einer eigenen Tochtergesellschaft in Russland seien die osteuropäischen Vertriebsstrukturen neu ausgerichtet und die Marktführerschaft in diesen Regionen weiter ausgebaut worden. Mit dem Markteintritt in Indien wurde die Internationalisierung fortgesetzt. Im Rahmen einer professionellen Markenführung konnte das Unternehmen zudem seine Kernmarken Salamander und Woly zukunftsfähig revitalisieren. Insgesamt wurden sowohl Umsatz als auch die Anzahl der Mitarbeiter im Zuge des internationalen Wachstums deutlich gesteigert. Seit längerem war in der Branche bekannt gewesen, dass Melvo zum Verkauf stand.
Martin Franke, Mitglied der Geschäftsleitung bei VR Equitypartner, sieht in SC Johnson einen langfristig sehr gut passenden neuen Partner für Melvo: “Wir haben das Unternehmen in den vergangenen Jahren gemeinsam mit dem Management und dem Beirat signifikant weiterentwickelt. Melvo ist heute international hervorragend aufgestellt. Daher sind wir glücklich, Melvo mit seinen starken Marken wie Salamander an SC Johnson veräußern zu können, ein in der Schuhpflege weltweit führendes Familienunternehmen.” Franke ergänzt: “Unter dem Dach von SC Johnson hat Melvo nun großes Potenzial, sich genauso überzeugend weiterzuentwickeln wie mit uns in den vergangenen Jahren.” Zu den finanziellen Details haben alle Partner Stillschweigen vereinbart.