Schuhfilialist aus dem Ruhrgebiet

Schlatholt-Geschäfte werden in neuer Gesellschaft weitergeführt

Schlatholt-Filiale in Gelsenkirchen. (Foto: Redaktion)
Schlatholt-Filiale in Gelsenkirchen. (Foto: Redaktion)

Das Gelsenkirchener Schuhhandelsunternehmen Schlatholt, das sich seit Ende 2015 in einem Schutzschirmverfahren (§ 270b InsO) befindet, stellt sich neu auf. Dafür wurde ein Investor gewonnen. schuhkurier sprach mit Geschäftsführer Thomas Schmelzer.

Am 8. August wurde die Permactum GmbH gegründet, die laut Handelsregister-Eintrag auf den Handel mit Schuhen, Lederwaren, Textilien und artverwandten Artikeln spezialisiert ist. Alleiniger Gesellschafter ist nach Angaben von Thomas Schmelzer ein Investor aus Köln. In die neue Gesellschaft wurden die aktuell 12 Geschäfte des Schlatholt-Portfolios überführt. Der Geschäftsbetrieb der Permactum GmbH wurde am 1. September 2017 aufgenommen.

Für die Schuhhaus Schlatholt GmbH & Co. KG wurde daraufhin am 11. September die Anordnung auf Eigenverwaltung durch das Amtsgericht Essen aufgehoben. Die Gesellschaft befindet sich damit in einem Regelinsolvenzverfahren.
Zum Insolvenzverwalter wurde der Sachwalter der Gesellschaft, Rechtsanwalt Dr. Christoph Niering in Essen bestellt. „Der Gesellschafter des neuen Unternehmens glaubt an den stationären Einzelhandel und unser Unternehmen“, erklärt Thomas Schmelzer gegenüber schuhkurier. Man werde jetzt verstärkt in die Standorte investieren und diese zukunftsfähig weiter entwickeln.
Gravierende Veränderungen beim Filial-Portfolio bzw. bei den Beschäftigten seien nicht vorgesehen.

Zum Schuhfilialisten Schlatholt gehören 12 Standorte im Ruhrgebiet. Das Unternehmen beschäftigt 125 Mitarbeiter.

 

Ausstehende Entscheidung der EU-Kommission

 

Zum Hintergrund der jüngsten Entwicklungen erklärt Thomas Schmelzer: „Die operative Sanierung des Unternehmens wurde bereits im letzten Jahr erfolgreich abgeschlossen. Wir haben die Zahl der Filialen auf ein rentables Maß reduziert, die Mieten zum Teil deutlich den aktuellen Marktgegebenheiten angepasst und die notwendigen Personalmaßnahmen sozialverträglich umgesetzt. Das Unternehmen arbeitet wieder profitabel.“

Man habe aber aufgrund einer zuletzt unklaren Gesetzeslage neu zur Zukunft des Schuhfilialisten entscheiden müssen. Durch eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs vom 28. November 2016, veröffentlicht am 07. Februar 2017 (BFH GrS, Urteil vom 28.11.2016, Az. GrS 1/15) ist die bisher geltende Steuerfreistellung eines Sanierungsgewinns auf Grundlage des so genannten Sanierungserlass des Bundesministeriums der Finanzen vom 27. März 2003 wegen Verstoßes gegen die Gesetzmäßigkeit der Verwaltung aufgehoben worden.

Der besagte Sanierungserlass war seinerzeit in Zusammenhang mit der Insolvenz des Maschinen- und Anlagenbauers Babkock verabschiedet worden.
Der Gesetzgeber habe nach der jüngsten Entscheidung des Bundesfinanzhofs zwar umgehend durch eine gesetzliche Neuregelung in § 3a EStG reagiert und die Steuerbefreiung wieder verfügt, so Schmelzer, jedoch liege das vom Bundestag und Bundesrat verabschiedete Gesetz derzeit zur Prüfung bei der Europäischen Kommission in Brüssel.

„Wann und ob überhaupt die ursprünglich noch für Juli erwartete positive Entscheidung der Kommission kommen wird, ist unbekannt“, so Schmelzer. Ohne diese Entscheidung der EU-Kommission werde die Finanzverwaltung keinen Erlass von Steuern auf Sanierungsgewinne bescheiden.

„Da die fortgesetzte Unsicherheit, wie und wann eine Entscheidung der EU-Kommission erfolgt, die Zukunft des Unternehmens gefährdet, waren wir gezwungen, das Vorhaben des Insolvenzplans wegen der steuerlichen Belastung aufzugeben und eine alternative Lösung zu suchen“, erklärt Thomas Schmelzer.

Diese Lösung sei für Schlatholt die so genannte sanierende Übertragung des Geschäftsbetriebs auf einen neuen Rechtsträger.

Petra Salewski / 20.09.2017 - 18:24 Uhr

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