Das Jahr 2018 ist ein weiteres mit vielen Herausforderungen. Wie haben Sie das Jahr bisher erlebt? Wo lagen Schwierigkeiten, was ist gut gelaufen?
Ingo Hänel: Dass unsere Branche unabhängig vom Wetter ist, kann spätestens seit diesem Jahr wirklich niemand mehr behaupten. Ganz konkret kann ich sagen, dass das Geschäft Mitte Oktober bei 24 Grad keinen Spaß gemacht hat. Es ist ein anspruchsvolles Jahr. Wir merken deutlich, dass starke Filialen auch unter erschwerten Bedingungen recht gut laufen, also ihre eigene Konjunktur haben. Schwächere Standorte bleiben dagegen deutlich zurück.
Uli Beck: Die tägliche, permanente Aufgabe besteht doch darin, alles zu unternehmen, damit der Laden gesund ist und bleibt. Das ist nicht leichter geworden. Ein Händler muss mit Augenmaß handeln. Von 100 Euro Umsatz bleiben für uns Händler letzten Endes 2 bis 5 Euro übrig. Das muss man sich immer wieder vor Augen führen.
Halten Sie die die Risikoverteilung zwischen Industrie und Handel angesichts dessen für gerechtfertigt?
Ingo Hänel: Nehmen wir einmal die Saisonverläufe. Mitte Oktober haben wir, die Geschäfte noch voller Ware, darauf gewartet, dass die Saison losging. Die Industrie hat zu diesem Zeitpunkt längst ihr Geld von uns erhalten. Das Risiko ist aus meiner Sicht eindeutig ungleich verteilt, auch wenn es zum Glück auch rühmliche, partnerschaftliche Ausnahmen gibt. Und ganz ehrlich: solche Partner-Firmen in der Industrie versuche ich generell im Einkauf zu stärken und zu unterstützen, das ist nur fair und gehört sich so.
Uli Beck: Es gibt immer wieder einmal Schuhe, die sich als echte ’Gurke‘ erweisen, quasi unverkäuflich sind. In diesem Fall erwarte ich von einem guten Lieferanten, dass er sich kulant und partnerschaftlich an dem Verlust beteiligt. Hier sitzen doch beide Seiten im Boot und tragen gemeinschaftlich die Verantwortung. Es gibt aber auch viele Firmen, die den Handel durchaus unterstützen, mit Rabatten, Werbekostenzuschüssen oder anderen Ansätzen.
Wo sehen Sie für Ihr Unternehmen die größten Herausforderungen?
Ingo Hänel: Sicherlich ist die Personalsuche eine herausfordernde Angelegenheit für uns als Unternehmen. Die Arbeitszeiten erscheinen vielen nicht attraktiv, und davon abgesehen sind in unserer Region durch die sehr dominante Automobilindustrie wenig Arbeitskräfte auf dem Markt. Herausfordernd ist für uns auch der Kampf gegen die Online-Riesen. Persönlich bereitet mir auch Sorgen, wie die Entwicklung der Digitalisierung weitergeht. Wenn künftig mit Echo Dots kommuniziert wird und womöglich Amazon bestimmt, was geliefert wird, dann ist das für uns relevant. Und wir sind nach wie vor auf der Suche nach der richtigen Multichannel-Strategie. Aus den vielen Möglichkeiten, die es gibt, müssen wir das richtige herausfiltern und dabei aber auch auf eigenes Risiko Dinge aussortieren, die vielleicht aber in der Branche als die neue Heilsbringer gehyped werden.
Ein wesentliches Thema sind auch die wirtschaftlichen Belastungen für unser Unternehmen. Die Spannen werden geringer, die Kosten steigen. Im Übrigen fordert es uns immer aufs Neue heraus, den Einkauf so zu optimieren, dass die Sortimente und Lieferzeiten passen – und dabei trotzdem immer unverwechselbar zu bleiben. Zunehmende Bürokratie beispielsweise im Datenschutz, das macht uns auch zu schaffen. Von der aktuellen Diesel-Problematik mit Auswirkungen auf unsere Logistik einmal ganz abgesehen. Wir fühlen uns zusätzlich zu unseren täglichen Herausforderungen von der Politik nicht richtig unterstützt.
Uli Beck: Wichtig ist uns auch die Unabhängigkeit von Banken und Lieferanten. Wir wollen gesund bleiben.
Das vollständige Interview mit Unternehmensportrait lesen Sie in schuhkurier Ausgabe 46.