In dem Schreiben der Organisation Footwear Distributors & Retailers of America (FDRA), datiert auf den 29. April 2025, erklären die unterzeichnenden 76 Unternehmen, dass die Branche von den angekündigten reziproken Zöllen der US-Regierung „ohne eigenes Verschulden besonders hart getroffen wurde“. Man fordere den US-Präsidenten „dringend auf, Schuhe von den reziproken Zöllen auszunehmen“.
„Angesichts der Beschaffenheit der US-Schuhindustrie sehen sich amerikanische Schuhunternehmen und Familien einer existenziellen Bedrohung durch solche erheblichen Kostensteigerungen ausgesetzt“, heißt es weiter in dem Schreiben, „Hunderten von Unternehmen droht die Schließung. Zehntausende von Arbeitsplätzen stehen auf dem Spiel. Viele Aufträge wurden auf Eis gelegt, und die Lagerbestände für US-Verbraucher könnten bald zur Neige gehen“.
Die US-amerikanischen Schuhanbieter würden von den Zöllen besonders getroffen, weil die Unternehmen bereits seit längerem durch Abgaben belastet seien. So gebe es etwa für Kinderschuhe ohnehin Zollsätze von 20 bis 37,5% und mehr – die drohenden reziproken Zölle nicht eingerechnet. Darüber hinaus gälten einige der höchsten Zollsätze für Schuhe mit geringem Wert, die vorrangig von weniger vermögenden US-amerikanischen Familien gekauft würden.
„Die neuen reziproken Zölle kommen noch zu den bestehenden hohen Schuhzollsätzen dazu, was bedeutet, dass viele amerikanische Schuhfirmen nun einen Zollsatz von mehr als 150% bis fast 220% zahlen müssen“, so das Schreiben weiter. Dies sei für viele Unternehmen nicht verkraftbar; sie könnten die Kosten aber auch nicht an die Verbraucher weitergeben. „Ohne eine sofortige Befreiung von den gegenseitigen Zöllen werden sie einfach schließen“, argumentiert die FDRA.
„Im Gegensatz zu anderen Branchen stellen wir Produkte her, die die Amerikaner kaufen müssen und nicht finanzieren können. Das bedeutet, dass wir unsere Produkte in der Regel nicht zu so hohen Preisen herstellen und die Kosten dieser Zölle nicht weitergeben können.“ So kauften viele Amerikaner Schuhe zum Preis von 30 bis 50 US-Dollar. „Die Zölle werden dazu führen, dass diese Verbraucher keine erschwinglichen Schuh-Optionen mehr haben“, heißt es in dem Schreiben. Außerdem würden die Zölle die Schuhproduktion nicht in die USA zurückbringen. Das bedürfe signifikanter Investitionen und einer jahrelangen Planung. „Die neuen Zölle nehmen den Unternehmen die Sicherheit, die sie brauchen, um diese Art von Investitionen zu tätigen, und machen fast das gesamte erforderliche Kapital zunichte.“
In dem Brief betont die FDRA weiter: „Wenn die derzeitige Situation anhält, werden die amerikanischen Schuharbeiter und Verbraucher darunter leiden. Dies ist ein
Notfall, der sofortiges Handeln und Aufmerksamkeit erfordert. Die amerikanische Schuhindustrie hat nicht Monate Zeit, um Geschäftsmodelle und Lieferketten anzupassen und gleichzeitig diese beispiellose und unvorhergesehene Zollregelung zu bewältigen. Viele unserer Unternehmen wissen nicht, wie oder ob sie die Kosten für die bereits verschifften Waren bezahlen werden. (…) Wir sind zutiefst besorgt über den drohenden Verlust von Arbeitsplätzen in der US-Schuhindustrie, zusätzliche Kosten für die Verbraucher und Konsumverzicht, der unsere Branche grundlegend beeinträchtigen und der gesamten US-Wirtschaft schaden wird.“
Ein gezielterer Ansatz, der sich auf strategische Güter und nicht auf grundlegende Konsumgüter konzentriere, würde kritischen nationalen Sicherheitsbedürfnissen eher entgegenkommen, ohne amerikanische Familien unnötigen Belastungen auszusetzen. Daher bitte man den Präsidenten höflichst, Schuhe von jeder gegenseitigen Zollregelung auszunehmen.
Unterzeichnet ist das Schreiben unter anderem von Adidas, Brooks, Caleres, Clarks, Cole Haan, Columbia Sportswear, Crocs, Deckers Brands, Falc USA, Florsheim, Kuru Footwear, Lowa Boots, Nike, Puma, Skechers, Under Armour, VF Corporation, Vance und Wolverine Worldwide.