Herr Seibel, Ende Juli wurde kommuniziert, dass Sie Leiser wieder verkaufen würden. Was hat zu dieser Entscheidung geführt?
Carl-August Seibel: Wir wollen uns auf das konzentrieren, was wir seit nun fast 130 Jahren machen: Schuhe produzieren. Wenn Sie so wollen, lautet die Devise ‘Zurück zu unserem Leisten’. Die Übernahme von Leiser hat uns in den letzten Jahren viele Veränderungen gebracht, es war ein interessanter Ausflug in den Retail, bei dem wir viele gute Erfahrungen sammeln konnten. Das Management beider Unternehmen war allerdings auch sehr herausfordernd und aufwändig für uns. Wir werden dem Unternehmen auch in Zukunft eng verbunden bleiben, als Lieferant ebenso wie als Partner bei der Produktion der Eigenmarken.
Tobias Zimmerer: Man muss dabei sehen, dass die Übernahme in eine anspruchsvolle Zeit fiel. Nie hat sich im Handel so viel verändert wie in den zurückliegenden fünf Jahren.
Carl-August Seibel: Wenn der Schuhhandel sich weiter so entwickelt hätte, wie sich das bei unserem Einstieg bei Leiser darstellte, wäre es sicher anders gekommen. Aber es kam zu großen Verwerfungen in unserer Branche. Hinzu kamen unsere Aufgaben bei der Sanierung des Unternehmens. Es gab viel zu tun. Und es ist auch kein Geheimnis, dass das Engagement bei Leiser unterm Strich etwas teurer wurde als erwartet.
Aber die Sanierung ist erfolgt, Leiser hat eine andere Ausgangsposition als 2011. Warum jetzt der Verkauf?
Carl-August Seibel: Wir sehen jetzt, dass die Situation im Schuhhandel weiter anspruchsvoll bleiben wird. Würden wir als Schuhhersteller Leiser weiter betreiben, würde dies ein fortlaufendes Arbeiten an diesem Unternehmen bedeuten – die Geschäfte müssen immer wieder modernisiert werden, neue Standorte eruiert, nicht mehr profitable geschlossen werden. Das kostet Zeit, und es kostet Geld. Es gehört zur unternehmerischen Verantwortung, die Dinge – auch eigene Entscheidungen – wieder neu zu beurteilen. Vor diesem Hintergrund haben wir uns entschieden, dass wir einen großen deutschen Schuhfilialisten als Tochter unseres Unternehmens nicht mehr weiterführen wollen. Leiser damals zu übernehmen, war nicht falsch. Aber Leiser jetzt weiter zu führen, wäre aus unserer Sicht falsch gewesen.
Wie stellen Sie Ihr Unternehmen mit den Marken Josef Seibel, Romika und Gerry Weber für die Zukunft auf?
Tobias Zimmerer: Jetzt wird es für uns darauf ankommen, uns mit unseren Marken neu auszurichten. Man hat in den letzten Saisons festgestellt, dass vor allem Basics nicht gut funktionieren. Die Standardware ist das Problem. Hinzu kommt: Die Krise, die der Handel in den letzten Jahren erlebt hat, kommt jetzt auf die Industrie zu, und das mit enormer Wucht. Bislang waren die Hersteller auf der sicheren Seite, die Auftragsbücher waren zweimal im Jahr voll – aber inzwischen sieht das anders aus.
Reicht angesichts dessen die Neuausrichtung der Marken?
Carl August Seibel: Nein. Es geht darüber hinaus auch darum, ganz grundsätzlich unser Profil zu schärfen. Vor dem Hintergrund der schon vorhandenen und der noch kommenden Sneaker-Schwemme sehen wir Chancen für andere Produkte. Wir wollen eben nicht die 37. Sneaker-Kopie anbieten. Also investieren wir in Kollektionsentwicklung. Und darüber hinaus in unser Innovationstempo. Eine neue Farbe reicht nicht: Es müssen neue Schuhe her.
Das vollständige Interview mit Carl-August Seibel und Tobias Zimmerer lesen Sie in schuhkurier Ausgabe 43. Das Heft erscheint am Mittwoch als ePaper und am Freitag als Print-Ausgabe.